Ein Jahr freies Gras

Welt / 21.10.2019 • 22:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Regierung in Ottawa ist noch lange nicht da, wo sie mit dem „Cannabis Act“ hinmöchte. Eine Studie ergibt, dass 40 Prozent ihr Cannabis auf illegalem Weg kaufen. AP
Die Regierung in Ottawa ist noch lange nicht da, wo sie mit dem „Cannabis Act“ hinmöchte. Eine Studie ergibt, dass 40 Prozent ihr Cannabis auf illegalem Weg kaufen. AP

Nach der Cannabis-Legalisierung kämpft in Kanada der offizielle Markt noch immer.

Winnipeg, Ottawa Der „Delta 9 Cannabis Store“ in Winnipeg erinnert an eine Mischung aus Apotheke und Schmuckladen. In einer Vitrine im Eingangsbereich steht eine Bong für umgerechnet mehr als 7000 Euro zum Verkauf. „Das ist Funktionalität und Mode in einem“, wirbt Leiter Trevor Duncan. Ein Stück für die Sammler, wenn auch am oberen Ende der Preisskala. High würden die meisten aber immer noch mit vorgerollten Joints.

Es hat sich etwas getan in Kanada, seitdem die Regierung von Premier Justin Trudeau Mitte Oktober vergangenen Jahres Cannabis landesweit offiziell legalisiert hat. Doch wo steht Kanada ein Jahr nach der Legalisierung?

2015 trat die neue Regierung mit dem Versprechen an, Cannabis aus seinem Schattendasein herauszuholen. Premier Trudeau brauchte aber trotzdem Jahre, bis die Legalisierung im Oktober 2018 stand. Übergeordnetes Ziel war und ist es, das einst illegale Geschäft zu kontrollieren und zu regulieren. Damit will man es nicht nur Minderjährigen erschweren, an das Rauschmittel heranzukommen, sondern die Verkäufe auch zumindest teilweise in staatliche Erlöse umwandeln.

Dass nicht-lizenzierte Dealer aber noch lange nicht abgemeldet sind, zeigen jüngste Umfragen. Der kanadischen Statistikbehörde zufolge gaben bei einer Studie im ersten Halbjahr 2019 zwar knapp die Hälfte der Konsumenten an, ihr Cannabis auch auf dem neuen, offiziellen Weg zu kaufen. Doch gleichzeitig bekommen mehr als 40 Prozent ihr Cannabis zumindest manchmal noch immer illegal – auch über nicht lizenzierte Internetseiten. Ob das illegale Geschäft landesweit auf absehbare Zeit wirklich trockengelegt werden kann, muss sich erst noch zeigen. Was die Legalisierung aber heute schon verändert hat, ist, das Gras gesellschaftsfähiger zu machen.