„Die Nacht gehört allen“

Welt / 22.10.2019 • 22:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Auch Nachtbürgermeister aus Paris und Zürich sind nach Mannheim gekommen. Reuters
Auch Nachtbürgermeister aus Paris und Zürich sind nach Mannheim gekommen. Reuters

Nachtbürgermeister halten offiziell die Fäden der Nachtkultur zusammen.

Mannheim Die Jobbeschreibung eines „Night Mayors“, also Nachtbürgermeisters, klingt einfach: „Ich trinke Bier und muss mir die Namen meiner Gesprächspartner einprägen“, sagt scherzend Merlijn Poolman, der im niederländischen Groningen offiziell die Fäden der Nachtkultur zusammenhält. Dass diese Arbeit in Wirklichkeit viel Fingerspitzengefühl und Einfallsreichtum erfordert, wird deutlich, wenn man dem Niederländer beim Besuch in Mannheim genauer zuhört. Hier richtet die Stadt die erste „International Night Culture Conference“ aus. Bei dem Thema gilt die Stadt als Pionier. Hier wurde 2018 mit Hendrik Meier Deutschlands erster Nachtbürgermeister gewählt. Er schildert, wie er nicht nur zwischen ruhebedürftigen Anwohnern und feiernden Kneipengästen vermitteln muss. Es seien Probleme wie sexuelle Belästigung, Drogenmissbrauch und die Schwierigkeit, ein breitgefächertes Kulturprogramm für viele Menschen zu bieten, bringt Poolman die Herausforderung auf den Punkt. Auch Nachtbürgermeister aus Paris und Zürich sowie die Gründerin einer Initiative für einen Wiener Nachtbürgermeister tauschen sich aus.

Eine Notwendigkeit, wie es Nachtbürgermeister Meier darstellt. Schließlich komme es darauf an, dass die Kommunalpolitiker die Bedeutung der Nachtkultur stärker in den Fokus nehmen. So sieht es auch die venezolanische Stadtplanerin Andreina Seijas. Sie erforscht die Ausprägungen der Nachtkultur. „Dabei geht es nicht nur um kulturelle und wirtschaftliche, sondern auch um die soziale Bedeutung der Nachtkultur für die schnell wachsenden Großstädte“, sagt sie. „Die Nacht gehört allen.“ Denn unabhängig von Alter, Geschlecht oder sozialem Hintergrund sollten alle am Nachtleben teilhaben können, fordert Seijas. Für sie steht außer Frage, dass die dunkle Tageszeit künftig stärker von den Menschen beansprucht wird: Immer mehr Frauen und Männer würden nachts arbeiten, „immer mehr Dienstleistungen stehen rund um die Uhr zur Verfügung“. Dies sorge schon dafür, dass die Städte der Nacht mehr Aufmerksamkeit widmen müssen.