Die Crux mit den Touristen

Welt / 03.11.2019 • 22:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Komodo-Warane sind zum Selfie-Objekt geworden. Hohe Eintrittspreise sollen helfen. AFP
Komodo-Warane sind zum Selfie-Objekt geworden. Hohe Eintrittspreise sollen helfen. AFP

Die „Heimat der letzten Drachen der Welt“ leidet unter dem Touristenansturm.

Jakarta Die Touristen rücken immer näher. Aber der Drache auf der indonesischen Insel Komodo bleibt ruhig. Träge liegt er im Schatten, eine Kreatur aus längst vergangenen Zeiten von fast drei Metern Länge und gewiss 100 Kilo Gewicht. Als ihm die Handykameras zu viel werden, wackelt er kurz mit dem Schwanz. Schon sind die Touristen auf Abstand. Soviel ist ein Selfie mit Drachen dann doch nicht wert. So ist das nicht immer mit den knapp 1300 Komodo-Waranen, die es auf der kleinen Sundainsel noch gibt. Die größten Echsen der Welt gehen nicht nur auf andere Tiere los und manchmal auf Menschen, sondern fressen sich sogar gegenseitig.

Im Moment sind sie hier wahrscheinlich die friedlichsten Kreaturen. Ansonsten herrscht im Nationalpark Komodo große Aufregung. Zwischenzeitlich gab es bereits einen Beschluss der Provinzregierung, dass Komodo am 1. Jänner für mindestens ein Jahr geschlossen wird. Begründung: Die gefährdeten Tiere müssten sich erholen. Erst nach langem Hin und Her mit der Zentralregierung in Jakarta wurde der Beschluss gekippt. Die „Heimat der letzten Drachen der Welt“ soll nun teurer werden. Eine „Jahresgebühr“ von 900 Euro war im Gespräch – auch für die große Mehrheit der Besucher, die die Drachen nur ein einziges Mal sehen will.

Derzeit kostet das 5,50 bis 18 Euro, je nachdem, ob man Indonesier oder Ausländer ist. Hinzu kommt der Preis für die Anfahrt übers Meer. Die Insel gilt als schlimmes Beispiel für „Über-Tourismus“: die Plage, dass einzigartige Orte in Zeiten von Facebook und Instagram mit dem Ansturm von Gästen aus aller Welt nicht mehr zurechtkommen. In Südostasien leiden mehrere ehemalige Geheimtipps darunter. Die Philippinen-Insel Boracay – bejubelt als schönste Insel der Welt – musste ein halbes Jahr dicht gemacht werden, weil sie verkam. Die Maya Bay in Thailand, wo der Film „The Beach“ gedreht wurde, ist seit 16 Monaten gesperrt. Vor Komodo gehen neuerdings Kreuzfahrtschiffe vor Anker. Dann sind auf einmal 800 Leute auf der Insel.