70.000 gegen Gletscherehe

Welt / 05.11.2019 • 22:45 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Naturschützer wehren sich gegen weitere Ausbaupläne am Mittelbergferner. Reuters
Naturschützer wehren sich gegen weitere Ausbaupläne am Mittelbergferner. Reuters

Betreiber wehren sich: Gletschersprengung sei nicht vorgesehen und eine Fehlinformation.

Innsbruck Die Petition gegen einen geplanten Zusammenschluss der Tiroler Gletscherskigebiete Ötztal und Pitztal nimmt weiter an Fahrt auf. Am Dienstagnachmittag erreichte eine vor drei Wochen angelaufene Onlinepetition gegen die „Gletscherehe“ bereits 70.000 Unterschriften. Die Onlinepetition war von Naturschützer Gerd Estermann ins Leben gerufen worden. Er fordert die Festlegung von verbindlichen Ausbaugrenzen und eine Novellierung des Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms (TSSP). Umwelt-NGOs wie Alpenverein, WWF und die Naturfreunde machen schon seit geraumer Zeit gegen das Vorhaben mobil und fürchten eine nachhaltige Beeinträchtigung des Naturhaushaltes auf dem bisher unberührten Gletscher. Die Ausbaugrenzen seien schlicht erreicht.

„Die Projektpläne zeigen sehr klar, wie brutal hier mit der Natur umgegangen werden soll. Ein derart überdimensioniertes Megaprojekt in einer hochsensiblen Gletscherlandschaft muss bei der Umweltverträglichkeitsprüfung durchfallen“, erklärte Landschafts­ökologe Josef Schrank vom WWF Österreich am Dienstag. Aufgrund des raschen Gletscherrückgangs würden sowohl die geplante Seilbahnstation am Mittelbergferner als auch mehrere Pistenabschnitte schon heute nicht mehr auf natürlicher Gletscherfläche liegen. „Aufgrund des fortschreitenden Gletscherrückgangs müsste hier eine Dauerbaustelle entstehen, um mit immer neuen Eingriffen und Infrastruktur den Skibetrieb zu sichern“, warnte Schrank. Die Projektbewerber sehen hingegen Fehlinformationen in der Diskussion rund um die geplante Gletscherehe und orten eine „Kampagne“ der Gegner, die einen neuen Tiefpunkt erreicht habe. Eine Sprengung des Gipfels des Linken Fernerkogels sei kein Thema. Dies sei eine bewusste Falschmeldung und Fehlinterpretation. „Das ist unrichtig und widerspricht schlichtweg den Tatsachen“, ist in einer Aussendung am Montag argumentiert worden.