Lage in Venedig angespannt

Welt / 15.11.2019 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Am Freitag hat das Hochwasser wieder eine Höhe von 153 Zentimetern erreicht. Ap
Am Freitag hat das Hochwasser wieder eine Höhe von 153 Zentimetern erreicht. Ap

Markusplatz aus Sicherheitsgründen gesperrt. Der öffentliche Verkehr wurde eingestellt.

Venedig Nach dem schweren Hochwasser in Venedig ist die Lage erneut kritisch. Der überschwemmte Markusplatz wurde am Freitag gesperrt, um die Sicherheit der Menschen nicht zu gefährden, erklärte Bürgermeister Luigi Brugnaro und rief Einwohner und Touristen zur Vorsicht auf. „Ein weiterer Tag des Alarms.“ Vor allem starker Wind trug das Wasser wieder in die Stadt. Schulen waren genauso wie der Dogenpalast geschlossen. Der öffentliche Verkehr in der Unesco-Welterbe-Stadt wurde eingestellt. Ein Hochstand wie zu Beginn der Woche wurde allerdings nicht erreicht. Am späten Vormittag stieg das Wasser auf einen Stand von 153 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel und ging dann wieder zurück, teilte das Gezeitenbüro der italienischen Stadt mit. Rund 70 Prozent der historischen Stadt seien überschwemmt.

In der Nacht zu Mittwoch – als eine Flut fast die gesamte Stadt überschwemmte – hatte das Wasser mit 187 Zentimetern deutlich höher gestanden. Das war der höchste Wert seit mehr als 50 Jahren. Das bedeutet, dass mehr als 90 Prozent der historischen Stadt unter Wasser standen.

Schäden in Milliardenhöhe

„Die Menschen haben alles verloren“, erklärte Brugnaro nun auf Twitter. Das eindringende Salzwasser mache alles noch viel schwieriger. Denn Meerwasser beschädigt Denkmäler, Marmor und Kunstschätze wesentlich mehr. Wir haben öfters schon Hochwasser erlebt, doch diesmal ist es anders“, sagte Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro im Interview mit dem TV-Sender „Canale 5“. Der Stadtchef sprach von Schäden in der Größenordnung von einer Milliarde Euro. Die italienische Regierung hatte am Donnerstag wegen der Überschwemmungen den Notstand in Venedig verhängt und angekündigt, 20 Millionen Euro „für die dringendsten Maßnahmen“ in der Lagunenstadt bereitzustellen. Auch Ex-Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega stapfte am Freitag in Gummistiefeln durch die Stadt und drang darauf, dass endlich ein Flutschutzsystem fertiggestellt werden müsse.

Seit Jahren wird um das System namens „Mose“ gestritten, das es eigentlich schon seit Jahren für die Stadt an der Adria geben sollte. Bürokratie, Korruption und Skandale verzögern den Bau allerdings. Die ausfahrbaren Barrieren sollen nun 2021 fertig sein. Durch die Erderwärmung steigt der Meeresspiegel, wodurch auch Hochwasser in Venedig zunehmen.

People wade their way through water in Venice, Italy, Friday, Nov. 15, 2019. Waters are rising in Venice where the tide is reaching exceptional levels just three days after the Italian lagoon city experienced its worst flooding in more than 50 years. (AP Photo/Luca Bruno)

People wade their way through water in Venice, Italy, Friday, Nov. 15, 2019. Waters are rising in Venice where the tide is reaching exceptional levels just three days after the Italian lagoon city experienced its worst flooding in more than 50 years. (AP Photo/Luca Bruno)