Wieder mehr Rentiere auf Spitzbergen

Welt / 13.12.2019 • 22:37 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Um 1900 waren die Rentiere auf Svalbard mehr oder weniger ausgerottet. AP
Um 1900 waren die Rentiere auf Svalbard mehr oder weniger ausgerottet. AP

Doch weltweit schrumpft die Population.

Oslo Hundert Jahre nachdem der Mensch das Rentier auf der Inselgruppe Spitzbergen im Nordatlantik stark dezimiert hatte, hat sich die Art wieder weitgehend erholt. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) in Trondheim. „Um 1900 waren die Rentiere auf Svalbard (norwegischer Name der Inselgruppe) mehr oder weniger ausgerottet“, sagt die Biologin Mathilde Le Moullec. Damals habe es nur noch ein paar Tausend Tiere gegeben.

Nachdem sie und Kollegen zwischen 2013 und 2016 die Inselgruppe in vier Expeditionen erforscht haben, schätzen sie die Population auf Spitzbergen auf rund 22.000 Tiere. Für das Projekt erfassten die Forscher Tierbegegnungen ebenso wie Satellitenbilder der Vegetation und Funde von Knochen und Geweihen. Die Überreste gaben Auskunft, wo auf den verschiedenen Inseln die Tiere im Laufe der Jahrhunderte gelebt haben und wie lange. Der älteste Fund ist vermutlich 3600 Jahre alt. Mit der Ankunft des Menschen auf den eisigen Inseln wurden die Tiere zur begehrten Beute. Nachdem der Niederländer Willem Barents 1596 über die Entdeckung berichtet hatte, kamen etwa Walfänger, Fischer und andere Besucher auf die Inseln, um Rentiere zu jagen. Als im späten 19. Jahrhundert Kohle gefunden wurde, wurde ihr Fleisch zum Nahrungsmittel für die Minenarbeiter. Nur in einigen isolierten Gebieten verblieben damals kleine Populationen. Ihnen sei es zu verdanken, dass der Bestand wieder wachsen konnte, nachdem die norwegische Regierung die Tiere 1925 unter Schutz stellte, sagt Le Moullec.

Zur weltweiten Entwicklung des Rentierbestandes gibt es unterschiedliche Angaben. Nach Angaben der Umweltorganisation WWF liegt er bei rund 2,8 Millionen wilden Tieren. Andere Quellen sprechen von 3,8 Millionen. In den vergangenen 25 Jahren sei die Zahl der Tiere um 40 Prozent zurückgegangen, sagt Roland Gramling vom WWF. So habe die russische Taimyr-Riesenherde noch im Jahr 2000 aus etwa einer Million Tieren bestanden. Inzwischen sei sie auf geschätzt 380.000 Exemplare geschrumpft. Ein Grund sei Wilderei. Hinzu kommt der Klimawandel.