Riesenschlag gegen Mafia

Welt / 19.12.2019 • 22:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bei der größten Anti-Mafia-Operation seit den 1980er-Jahren sind am Donnerstag in Italien 334 Personen festgenommen worden.
Bei der größten Anti-Mafia-Operation seit den 1980er-Jahren sind am Donnerstag in Italien 334 Personen festgenommen worden.

334 Festnahmen in Italien. Wie die ’Ndrangheta zur größten Organisation der Welt wurde.

Rom Es sind Politiker, Unternehmer und sogar ein Polizist darunter: Der Polizei ist ein aufsehenerregender Schlag gegen die Mafia in Kalabrien gelungen. Den Verdächtigten wird unter anderem Mord, Erpressung, Wucher und Geldwäsche vorgeworfen. Doch die Festnahme von 334 Verdächtigen ist nicht nur für Italien eine große Nachricht: Die ’Ndrangheta gilt heute als weltweit mächtigste Mafiaorganisation und kontrolliert von Dörfern in Süditalien aus große Teile des weltweiten Drogenhandels. Ein Experte der italienischen Anti-Mafia-Polizei DIA, der aus Sicherheitsgründen unerkannt bleiben will, erzählt der Deutschen Presse-Agentur vom Umfang der Einnahmen der Organisation. Demnach verdient die ’Ndrangheta nach Recherchen des italienischen Eurispes-Instituts mit dem Drogenschmuggel 300 bis 350 Millionen Euro pro Woche. Begonnen hatte die ’Ndrangheta vor Jahrzehnten mit einer in Italien mittlerweile fast verschwundenen kriminellen Aktivität: Entführungen zur Erpressung von Lösegeld.

Die Gangster aus Kalabrien waren damals führend: Laut dem DIA-Experten landeten von den geschätzt 800 Milliarden Lira (heute etwa 413 Millionen Euro) Lösegeld, das italienische Kriminelle mit Entführungen verdienten, 65 bis 70 Prozent in den Händen der ’Ndrangheta. Dieses Geld wurde wieder investiert: teils in Luxusgüter wie Villen oder teure Autos. Der größte Teil wurde aber dazu genutzt, in den Kokainschmuggel einzusteigen, sagte der kalabrische Staatsanwalt Nicola Gratteri einmal dem Anti-Mafia-Ausschuss des italienischen Parlaments.  Im Mai hatte der Präsident der Anti-Mafia-Kommission im italienischen Parlament, Nicola Morra, vor einer Expansion der Mafia-Clans in Richtung Österreich gewarnt. Insbesondere auf der Achse Modena-Brenner bemerkte man in den letzten Jahren zunehmende Aktivität, warnte Morra. „Vor allem die ’Ndrangheta hat sich in der deutschsprachigen Welt verankert“, sagte Morra nach Medienangaben.