Dutzende Tote und Verletzte bei Bombenanschlag in Mogadischu

Welt / 28.12.2019 • 13:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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APA/AFP/ABDIRAZAK HUSSEIN FARAH

Mogadischu Bei einem der verheerendsten Sprengstoffanschläge der vergangenen Monate sind am Samstag in der somalischen Hauptstadt Mogadischu mindestens 73 Menschen getötet worden. In sein Krankenhaus seien neben 73 Toten zudem 54 Verwundete gebracht worden, sagte der Leiter des städtischen Medina-Hospitals, Mohamed Yusuf, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Opferbilanz ist noch vorläufig und könnte sich schnell erhöhen. Unklar ist, wie viele Opfer in andere Spitäler gebracht wurden. Der Bürgermeister von Mogadischu, Omar Mohamed Filish, sprach kurz nach der Explosion bereits von 90 Verletzten – darunter auch viele Studenten. Unter den Toten sind nach Polizeiquellen auch fünf Polizisten.

Ein mutmaßlicher Selbstmordattentäter habe seinen mit Sprengstoff beladenen Lastwagen in einem belebten Viertel der Stadt hochgehen lassen, berichtete der Sicherheitsvertreter Abdulahi Adan. Laut einem Bericht von Voice of America wurde der Anschlag an einem Kontrollposten an einer großen Kreuzung im Südwesten von Mogadischu verübt, wo sich Straßen Richtung der Stadt Afgoye (Afgooye) treffen.

Unter den Toten sind auch drei türkische Staatsbürger. Bei ihnen handelt es sich nach ersten Erkenntnissen um Straßenbau-Ingenieure. Augenzeugen sprachen von einem Bild der Verwüstung. Einige Leichen seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, hieß es.

Nach Angaben eines anderen Polizeisprechers wurden durch die schwere Explosion in den frühen Morgenstunden auch zwei Minibusse mit Schulkindern an Bord schwer beschädigt. Augenzeugen berichteten von aufgerissenen Karosserien.

Regierungssprecher Mukhtar Omar geht davon aus, dass sich die Opferbilanz angesichts der Wucht der Detonation weiter erhöhen dürfte. „Die Gegend war voller Menschen, die in die Schule oder zum Einkaufen in die Stadt fuhren, als sich der schreckliche Anschlag ereignete.“ Obwohl es zunächst keine Bekennerschreiben gab, wird hinter dem Anschlag die Terrormiliz Al-Shabaab vermutet.

Al-Shabaab kämpft in Somalia seit Jahren um die Vorherrschaft. Die sunnitischen Fundamentalisten waren im August 2011 von Truppen der Afrikanischen Union (AU) aus Mogadischu vertrieben worden. Sie beherrschen aber nach wie vor große Gebiete im Süden und Zentrum des Landes am Horn von Afrika und verüben immer wieder Anschläge. Die US-Streitkräfte unterstützen die Regierung im Kampf gegen die Gruppe mit Luftangriffen und bilden Soldaten aus. Zudem leistet eine Truppe der AU Unterstützung.

Die mit der Extremistenorganisation Al-Kaida verbündete Al-Shabaab hat nicht nur in Somalia, sondern auch in Kenia und Uganda mehrfach Attentate verübt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sie sich nicht zu ihren Taten bekennt. Beim bisher schwersten Anschlag von Al-Shabaab wurden im Oktober 2017 in Mogadischu fast 600 Menschen getötet. Damals war ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug in der Nähe eines Tanklastwagens explodiert.

Somalia leidet seit langem unter Unruhen und Unsicherheit. 1991 stürzten mehrere Milizen gemeinsam Diktator Siad Barre, kämpften dann aber gegeneinander.