„Wir sind fassungslos“

Welt / 06.01.2020 • 22:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Schock und Trauer nach Unfalldrama mit sieben jungen Todesopfern in Südtirol.

Luttach Der kleine Wintersport­ort Luttach in Südtirol steht unter Schock: Rosen und Friedhofslichter erinnern an eine Katastrophe, wie sie die Leute hier nach den Worten des Bürgermeisters bisher noch nie erlebt haben. Ein betrunkener Autofahrer ist in eine Gruppe junger deutscher Skiurlauber gerast und hat sieben von ihnen in den Tod gerissen. Sechs der Opfer im Alter um die 20 Jahre sind in der Nacht zum Sonntag noch am Unfallort gestorben. Ein weiteres Opfer erlag am Montag in der Innsbrucker Klinik seinen schweren Verletzungen. Eine Person kämpft ums Überleben. Elf weitere wurden verletzt, vier davon schwer. Bei den Todesopfern handelt es sich um drei Männer und drei Frauen aus Nordrhein-Westfalen. Der Fahrer des PS-starken Sportwagens war stark betrunken und nach Augenzeugenberichten viel zu schnell unterwegs. Ein Polizeisprecher sagte der dpa, ein erster Test habe mehr als 1,9 Promille ergeben. Das habe auch ein Bluttest bestätigt.

Der Fahrer, ein 27-Jähriger aus der Region, sei in ein Krankenhaus gekommen und werde auch auf Drogen untersucht. Er steht laut Polizei unter Schock und wurde festgenommen. Ihm wird unter anderem mehrfache Tötung im Straßenverkehr vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Dem Mann drohen zwischen acht und zwölf Jahren Haft, womöglich sogar mehr. Er sei aus dem Krankenhaus in Bruneck entlassen worden und wurde ins Gefängnis nach Bozen gebracht, sagte ein Polizeisprecher am Montag.

Unfallfahrer spricht über Reue

Der Unfallfahrer bereut nach Angaben seines Anwalts das tödliche Unglück. Alessandro Tonon sagte am Montag, der 27-Jährige sei sich bewusst, dass er vor der Fahrt getrunken habe. Aber als er den Wert von fast zwei Promille erfahren habe, sei er verwundert gewesen: Er habe sich nicht für so stark alkoholisiert gehalten. Alessandro Tonon ist nach eigenen Angaben Pflichtverteidiger des Mannes. Sein Mandant habe ihm gesagt, er sei alleine im Unfallwagen gewesen. Er und seine Freundin hätten sich getrennt. Das habe aber mit dem Unfall im Wintersportort Luttach nichts zu tun, betonte der Jurist. Er habe ihm ungefähr gesagt: „Es wäre besser gewesen, ich wäre gestorben anstelle der anderen Menschen.“

Die jungen Leute befanden sich in dem Wintersportort auf dem Heimweg von einem Discobesuch. Gegen 1.15 Uhr nachts stiegen sie aus einem Shuttlebus und überquerten die Hauptstraße. Die Unterkunft der Skiurlauber liegt nur ein paar Schritte entfernt auf der anderen Straßenseite. Der Busfahrer berichtete, er habe gerade am Straßenrand gehalten, um die Skiurlauber aussteigen zu lassen, als der Unfallfahrer herangerast sei. Er habe noch versucht ihn zu warnen und mit dem Licht aufgeblendet, konnte die Tragödie aber nicht verhindern. Es sei wahnsinnig schnell gegangen.

Der Bürgermeister von Luttach, Helmut Gebhard Klammer, sprach von einer „Katastrophe“, wie sie das Tal noch nie erlebt habe. „Wir sind fassungslos“, sagte er und sprach den Angehörigen sein Beileid aus.

An der Unfallstelle erinnern Kerzen, Blumen und Bilder an die Katastrophe.
An der Unfallstelle erinnern Kerzen, Blumen und Bilder an die Katastrophe.
An der Unfallstelle erinnern Kerzen, Blumen und Bilder an die Katastrophe.
An der Unfallstelle erinnern Kerzen, Blumen und Bilder an die Katastrophe.