Tragödie hielt die Welt in Atem

Welt / 12.01.2020 • 22:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Drama um den kleinen Julen bleibt unvergessen. Jetzt soll die Schuldfrage geklärt werden.  reuters
Das Drama um den kleinen Julen bleibt unvergessen. Jetzt soll die Schuldfrage geklärt werden.  reuters

Vor einem Jahr starb der kleine Julen in einem spanischen Bohrloch. Wen trifft die Schuld?

madrid Auch ein Jahr nach dem Drama um den kleinen Julen, der nahe Málaga in ein winziges Bohrloch stürzte und dort den Tod fand, ist die Tragödie in Spanien unvergessen. Seine Bergung dauerte zwölf Tage. Antworten auf die Schuldfrage lassen noch immer auf sich warten, es gibt aber einen Angeklagten: den Besitzer der andalusischen Finca, auf dessen Grundstück das Unglück am 13. Januar 2019 passierte.

Das Verfahren gegen ihn wegen fahrlässiger Tötung beginnt am 21. Januar, knapp ein Jahr nachdem die Helfer endlich zu Julen vordrangen – und alle Hoffnung auf ein Wunder endete. Die Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Haft für den Angeklagten. Dieser sei der einzige gewesen, der von der Existenz des Brunnens gewusst habe – und habe es dennoch versäumt, das Loch irgendwie zu sichern, lautet der Vorwurf.

Die Hoffnung, dass die Tragödie irgendwelche positiven Auswirkungen hat, schwindet unterdessen immer mehr. Das Unglück hat nämlich ein Problem ans Licht gebracht, das in Spanien bis dahin kaum beachtet wurde: Das Land gleicht einem Schweizer Käse. Auf der Suche nach Wasser werden überall illegal Löcher gegraben, die vor allem für Kinder und Tiere extrem gefährlich sind. „Mondscheinlöcher“ werden sie im Volksmund genannt, weil sie oft in Nacht- und Nebelaktionen ausgehoben werden. Im Zuge des Unglücks riefen Regierungssprecher in Madrid dazu auf, alle unbefugt gegrabenen Schächte zuzuschütten. Regionalregierungen kündigten Kontrollen an. Doch reicht das, um eine Wiederholung des Unglücks zu verhindern? Wohl kaum. Die Umweltorganisation Greenpeace klagte in einer Studie von 2018, im ganzen Land gebe es über eine Million illegaler Schächte. Die letzte offizielle Erhebung ist inzwischen 14 Jahre her.