Keine Zukunft für „Gletscher-Ehe“

Welt / 16.01.2020 • 22:04 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Die Visualisierung zeigt den geplanten Standort der zukünftigen Mittelstation für die beiden 10er-Kabinenbahnen Fernerkogl ll und lll. APA/ÖTZTALER GLETSCHERBAHN
Die Visualisierung zeigt den geplanten Standort der zukünftigen Mittelstation für die beiden 10er-Kabinenbahnen Fernerkogl ll und lll. APA/ÖTZTALER GLETSCHERBAHN

Uni-Bericht zeigt laut WWF die Kurzsichtigkeit des Vorhabens auf. UVP vertagt.

Innsbruck Laut einem Bericht der Universität Innsbruck, der auf Anfrage des (World Wildlife Fund) WWF erstellt wurde, könnte der Gletscher im Projektgebiet des umstrittenen geplanten Zusammenschlusses der Pitztaler- und Ötztaler Gletscherskigebiete im Extremfall in 30 Jahren verschwunden sein. Dies belege die Kurzsichtigkeit des geplanten Skiprojekts, kritisierte der WWF in einer Aussendung. Selbst bei der optimistischsten Klima-Prognose dürften etwa zwei Drittel des Gletschereises im Projektgebiet bis 2050 verschwinden. „Hier soll Großinfrastruktur mit einer Nutzungsdauer von 50 Jahren und mehr in eine Naturlandschaft gebaut werden, die sich schon in den nächsten 30 Jahren vollkommen verändern wird. Weil sich die Gletscher immer weiter zurückziehen, müsste das Gelände für einen Skibetrieb mit immer neuen baulichen Eingriffen und zusätzlicher Infrastruktur umgebaut werden“, meinte Josef Schrank, Landschafts­ökologe beim WWF.

Zudem sei der Schutz einer natürlichen Entwicklung dieser ursprünglichen Gebiete von großer Bedeutung. „Der Rückgang der Gletscher gibt ein Gelände frei, das seit der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren vollkommen unbeeinflusst geblieben ist. Das ist die letzte echte Wildnis, die wir in Zentraleuropa haben, ein elementarer Bestandteil unseres Naturerbes, den wir nicht wie Bauschutt behandeln dürfen“, erklärte Schrank. Die für kommende Woche anberaumte mündliche Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) wird vertagt. Dies geschehe auf Ersuchen der Pitztaler und Ötztaler Gletscherbahnen, teilte das Land mit. Gründe seien „weitere notwendige Erhebungen vor Ort – auch im schneefreien Zustand – vonseiten des Betreibers, um Darstellungen in der notwendigen Genauigkeit und Nachvollziehbarkeit zu erbringen“, hieß es.