Über 4000 Menschen infiziert

Welt / 23.01.2020 • 22:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Millionenmetropole Wuhan steht mittlerweile unter Quarantäne. AFP
Die Millionenmetropole Wuhan steht mittlerweile unter Quarantäne. AFP

Das Virus hat die Elf-Millionen-Metropole Wuhan in eine Sperrzone verwandelt.

Peking Wegen Sicherheitsvorkehrungen zur Bekämpfung des neuartigen Coronavirus in China sitzen mehr als 20 Millionen Menschen in Wuhan und anderen Städten des Landes fest. Angesichts von fast 600 Infektionen landesweit stellten die Behörden am Donnerstag nach Wuhan auch die Millionen-Städte Huanggang und Lichuan unter Quarantäne. Ein Bewohner in Wuhan sagte, die erzwungene Isolierung fühle sich an wie der „Weltuntergang“. In Peking wurden Großveranstaltungen zum bevorstehenden Neujahrsfest abgesagt.

Die Zahl der mit dem neuen Virus Infizierten, das mitunter tödliche Atemwegserkrankungen verursacht, ist aktuellen Berechnungen zufolge deutlich höher als die Zahl der festgestellten Fälle. Experten des Imperial College London gehen davon aus, dass bis zum 18. Jänner bei über 4000 Menschen in der chinesischen Stadt Wuhan Symptome aufgetreten sind. Das ging aus einem Bericht des Zentrums für die Analyse globaler Infektionskrankheiten hervor. Bis 23. Jänner wurde das Virus bei 571 Menschen nachgewiesen, wie die chinesische Gesundheitsbehörde berichtete.

Unterdessen ist zum ersten Mal ein Mensch außerhalb der Provinz Hubei an dem neuartigen Coronavirus gestorben. Die Gesundheitsbehörde der nördlichen Provinz Hebei vermeldete am Donnerstag den Tod eines 80-jährigen Mannes, der sich mit dem Erreger infiziert hatte. Die Zahl der Todesfälle stieg damit auf 18. Die 17 vorherigen Todesopfer stammten alle aus der zentralchinesischen Provinz Hubei, in der auch der Huanan-Markt in der Millionenmetropole Wuhan. Der Markt gilt als Ausgangspunkt der Infektionen mit dem Coronavirus. Die ersten Infizierten im Dezember waren Händler, seither ist der Markt geschlossen. „Huanan-Markt für Meeresfrüchte“ lautet der offizielle Name des Marktes. Doch in Wirklichkeit wurde dort weit mehr verkauft. Ratten, Füchse, Krokodile, Wolfswelpen, Riesensalamander, Schlangen, Pfaue und Kamelfleisch bietet ein Händler in seiner Werbebroschüre an. Auch Zibetkatzen stehen auf der Angebotsliste – jene Wildtiere, von denen die gefährliche Atemwegs­erkrankung SARS ausging. In den Jahren 2002/2003 starben daran 774 Menschen, die meisten in Festland-China und Hongkong. „Frisch geschlachtet und tiefgekühlt“ liefere er die Zibetkatzen auch nach Hause, verspricht der Händler – obwohl der Verzehr der Katzen verboten ist.  Wissenschafter vermuten, dass der Erreger von Schlangen und Fledermäusen auf den Menschen übertragen worden sein könnte.