WHO ruft globalen Notstand aus

Welt / 30.01.2020 • 22:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Entwarnung ist an Bord des Kreuzfahrtschiffes Costa Smeralda gegeben worden, das am Donnerstag wegen eines Corona-Verdachts im Hafen von Civitavecchia bei Rom festgehalten wurde.AFP
Entwarnung ist an Bord des Kreuzfahrtschiffes Costa Smeralda gegeben worden, das am Donnerstag wegen eines Corona-Verdachts im Hafen von Civitavecchia bei Rom festgehalten wurde.AFP

Die Zahl der Corona-Infektionen steigt rasant. Bisher kein bestätigter Fall in Österreich.

Genf Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Ausbruchs der neuen Lungenkrankheit in China eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen. Damit sind konkrete Empfehlungen an Staaten verbunden, um die Ausbreitung über Grenzen hinweg möglichst einzudämmen.

Noch sei die Zahl der Infektionen außerhalb Chinas relativ gering, sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstagabend. Aber man wisse nicht, welchen Schaden das Virus in einem Land mit einem schwachen Gesundheitssystem anrichten würde. Der Schritt sei nicht als Misstrauensvotum gegen China zu verstehen, betonte der WHO-Direktor nach der Sitzung eines Expertenausschusses.

Mehr Fälle als bei SARS

Die Zahl der Infektionen mit dem neuen Coronavirus 2019-nCoV hat mittlerweile die weltweiten Fälle bei der SARS-Pandemie vor 17 Jahren übertroffen. Mit 317 neuen Erkrankungen, die die Behörden der schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina berichteten, kletterte die Gesamtzahl weltweit auf mehr als 8100. An dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) waren 2002/2003 nach Auskunft der Weltgesundheitsorganisation 8096 Menschen erkrankt und 774 gestorben. Durch das neue Virus, das mit dem SARS-Erreger verwandt ist, sind bisher 170 Menschen ums Leben gekommen.

Mit der ersten Erkrankung in Tibet sind nun in allen Regionen und Provinzen Chinas Infektionen nachgewiesen. Der Anstieg ist rasant. Vor zwei Wochen waren erst 40 Fälle gezählt worden. Der Höhepunkt der Epidemie wird frühestens in einer Woche erwartet. Außerhalb der Volksrepublik sind in rund 20 Ländern mehr als 100 Infektionen gezählt worden. Unter anderem in Frankreich gibt es sechs Infektionen, in Deutschland vier.

Verdachtsfall wird geprüft

In Österreich gibt es bisher keinen bestätigten Fall. Bei sechs Verdachtsfällen gab es nach dem Test Entwarnung, ein siebter Verdachtsfall wird noch geprüft. Die Ausrufung des internationalen Gesundheitsnotstandes hat für die Praxis in Österreich zunächst keine Auswirkungen, weil sich Österreich ohnehin an die Empfehlungen der WHO hält, wie das Gesundheitsministerium auf Anfrage mitteilte. „Sollten die Empfehlungen strenger werden, wird sich Österreich selbstverständlich daran halten“, hieß es weiter.

Corona-Alarm auf Kreuzfahrtschiff

An Bord des Kreuzfahrtschiffes Costa Smeralda, das wegen eines Verdachts auf Coronavirus im Hafen der Stadt Civitavecchia bei Rom festgehalten wurde, gab es am Donnerstag Entwarnung. Unter den rund 6000 Passagieren an Bord waren auch 37 Österreicher.

Deutschland plant eine Rückhol­aktion für deutsche Staatsbürger aus der besonders schwer betroffenen Metropole Wuhan. Nach bisherigen Schätzungen geht es um rund 90 deutsche Staatsbürger. Die Rückkehrer sollen 14 Tage lang auf dem Luftwaffenstützpunkt Germersheim in Rheinland-Pfalz in Quarantäne, wie Medien berichteten. Der deutsche Flug könnte auch eine Möglichkeit für die sieben Österreicher in der Provinz Hubei sein, China zu verlassen. Der Rückholflug war zunächst für Samstag geplant.

Die Angst vor der Ausbreitung der Lungenkrankheit wächst.
Die Angst vor der Ausbreitung der Lungenkrankheit wächst.