Abschottung wird verstärkt

Welt / 31.01.2020 • 22:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Aufregung um Coronavirus: Rückholaktion für Österreicher. Erstmals Kind infiziert.

Peking Im Kampf gegen das sich weiterhin rasant ausbreitende Coronavirus haben China und das Ausland ihre Maßnahmen nochmals verschärft. Die US-Regierung gab eine Reisewarnung für China aus, Singapur und die Mongolei wollen keine Chinesen oder Reisende aus China mehr ins Land lassen. Auch Österreich erhöhte seine Sicherheitsstufe und gab eine partielle Reisewarnung für die Krisenregion in China aus. Seinerseits kündigte Peking an, alle ins Ausland gereisten Bewohner der besonders betroffenen Provinz zurückzuholen. Die deutsche Bundesregierung schickte am Freitag eine Bundeswehrmaschine nach Wuhan, um deutsche Staatsbürger auszufliegen. Sieben Österreicher, die sich in der Krisenprovinz Hubei aufhalten, sollen via Frankreich am Sonntag nach Österreich zurückkehren. Die Heeresmaschine soll sie nach Hause bringen. Die Österreicher, die nur nach einem negativen Test auf das Coronavirus in Wuhan in den Flieger steigen dürfen, werden von einem Mitarbeiter der Botschaft in Peking begleitet. Sobald sie heimischen Boden betreten, sind die regionalen Gesundheitsbehörden für sie zuständig. Welche weiteren Maßnahmen dann getroffen werden, war am Freitag noch unklar.

Kind in Bayern infiziert

Den Behörden in Peking zufolge ist die Zahl der Toten in China auf 213 gestiegen, knapp 9700 Menschen infizierten sich bis Freitag auf dem chinesischen Festland mit dem neuartigen Erreger 2019-nCoV, hinzu kommen mehr als hundert Fälle in über 20 weiteren Ländern, darunter erstmals auch in Großbritannien und Russland. Deutschland meldete am Freitag einen sechsten Fall: Dabei handelt es sich um das Kind eines der fünf Mitarbeiter des Automobilzulieferers Webasto aus dem Landkreis Starnberg, die sich bei einer aus China zu einer Schulung angereisten Kollegin angesteckt hatten. Nach der Bestätigung von zwei ersten Infektionsfällen rief Italien den nationalen Notstand aus. Dieser solle sechs Monate gelten, teilte die Regierung in Rom nach einer Entscheidung des Ministerrats am Freitag mit. Bei zwei Touristen aus China war am Vortag das Coronavirus festgestellt worden.

Verdachtsfälle in Salzburg

Am späteren Freitagnachmittag meldeten die Salzburger Landeskliniken zwei weitere Corona-Verdachtsfälle. Ausständig ist nach wie vor das Ergebnis zu zwei weiteren Verdachtsfällen in Salzburg. Entwarnung gab es hingegen für einen siebten Verdachtsfall in Wien und einen Verdachtsfall in Kärnten. Immer mehr Staaten raten von nicht notwendigen Reisen nach China ab. Dazu gehört auch Österreich: Das Außenamt in Wien empfahl, nicht notwendige Reisen nach China zu verschieben, und setzte die Sicherheitsstufe auf 4 (hohes Sicherheitsrisiko) hinauf. Für die Provinz Hubei, von der der Ausbruch des Coronavirus ausgeht, wurde eine partielle Reisewarnung (Sicherheitsstufe 5) ausgesprochen.

China, das bereits mit drastischen Abschottungsmaßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des Virus ankämpft, kündigte an, ins Ausland gereiste Bürger aus Hubei „so rasch wie möglich“ mit Chartermaschinen zurück in die Provinz zu fliegen.

Nach der Ausrufung der „gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite“ durch die WHO ergeben sich für Österreich „vorerst keine unmittelbaren Konsequenzen“, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Zugleich kündigte er nach der Verhängung der Anzeigenpflicht für Fälle von Coronavirus eine weitere Verordnung an, „wonach es möglich ist, nicht nur kranke oder krankheitsverdächtige Personen, sondern im konkreten Ernstfall bei Bedarf auch schon ansteckungsverdächtige Personen, die noch keine Krankheitssymptome zeigen, im Umgang mit anderen Personen zu beschränken“.

Sorge vor Coronavirus: Ein Arbeiter desinfiziert die Straßen in Qingdao. In den Geschäften finden Schutzmasken reißenden Absatz. RTS
Sorge vor Coronavirus: Ein Arbeiter desinfiziert die Straßen in Qingdao. In den Geschäften finden Schutzmasken reißenden Absatz. RTS