Noch keine Coronavirus-Pandemie

Welt / 04.02.2020 • 22:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Lungenuntersuchungen mittels Computertomographie stehen in Wuhans Krankenhäusern an der Tagesordnung. AFP
Lungenuntersuchungen mittels Computertomographie stehen in Wuhans Krankenhäusern an der Tagesordnung. AFP

Über 20.000 Menschen in China mit neuer Lungenkrankheit infiziert. WHO spricht von Epidemie.

Genf Die Coronavirus-Epidemie ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch keine Pandemie. „Im Moment befinden wir uns nicht in einer Pandemie“, sagte die Direktorin der WHO-Abteilung zur Vorbereitung auf Infektionsgefahren, Sylvie Briand, am Dienstag vor Journalisten in Genf. Derzeit handle es sich um eine Epidemie mit mehreren Brennpunkten.

Starker Anstieg der Infektionen

Das Coronavirus war im Dezember in der zentralchinesischen Provinz Hubei erstmals beim Menschen aufgetreten und hatte sich von dort aus in ganz China und in mindestens 24 Länder weltweit verbreitet. In China haben sich nach offiziellen Angaben inzwischen mehr als 20.000 Menschen infiziert – 3225 neue Fälle im Vergleich zum Vortag. Die Zahl der Todesopfer stieg demnach um 64 auf 425. Es war erneut der bisher stärkste Anstieg der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus und der Todesfälle innerhalb eines Tages. Chinas Führung hat „Unzulänglichkeiten und Defizite“ in der Reaktion auf den Ausbruch der neuartigen Lungenkrankheit eingeräumt. Hinzu kommen zwei Todesfälle in Hongkong und auf den Philippinen.

Coronavirus in Europa

Nachdem sich in der Vorwoche vier Coronavirus-Verdachtsfälle in Salzburg als negativ herausgestellt hatten, gibt es jetzt einen neuen Verdachtsfall. Eine 31-jährige Salzburgerin ist am Dienstagnachmittag in das Uniklinikum Salzburg gebracht worden. Einem Kliniksprecher zufolge war die Frau über Taiwan nach Neuseeland gereist. Alle drei Coronaverdachtsfälle in Tirol und jener in Kärnten haben sich nicht bestätigt. Den zwölf Coronavirus-Patienten in Deutschland geht es weiterhin gut. Von neun aus Wuhan heimgekehrten Belgiern hat sich einer mit dem Coronavirus infiziert. Der Patient war am Sonntag von China zurückkehrt und wird in einem Brüsseler Krankenhaus behandelt. Nachgewiesene Fälle gibt es laut WHO auch in Spanien, Italien, Großbritannien, Frankreich, Schweden und Finnland.

Hoffen auf Schutzmaßnahmen

Die WHO-Expertin Briand verwies darauf, dass sich das Virus bisher nur in Hubei rasant ausgebreitet habe. Andernorts gebe es bisher nur vereinzelte Häufungen von Fällen. Die WHO hoffe daher darauf, dass die Schutzmaßnahmen in Hubei und an anderen betroffenen Orten die Übertragung stoppen können.

Die WHO hatte wegen der rasanten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in China am Donnerstag den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Am Montag hatte China mitgeteilt, dass der Höhepunkt der Epidemie erst bevorstehe. Erwartet werde er in zehn Tagen bis zwei Wochen, sagte der Chef des nationalen Coronavirus-Expertenteams, Zhong Nanshan. Die Sterblichkeitsrate der Lungenkrankheit in China liegt im Schnitt bei 2,1 Prozent. Das bedeutet, dass rund jeder 50. nachweislich Erkrankte an dem Virus stirbt. In Wuhan erreicht die Mortalität allerdings 4,9 Prozent.

Informationen zu Übertragung, Symptomen, Vorbeugung: AGES-Infoline Coronavirus: 0800 555 621 (Mo-Fr, 9-17 Uhr)