Wie ein Brite Corona verbreitete

Welt / 11.02.2020 • 22:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Am Londoner Imperial College School of Medicine (ICSM) arbeitet Doktor Paul McKay an einem Impfstoff gegen das Virus 2019-nCoV. AFP
Am Londoner Imperial College School of Medicine (ICSM) arbeitet Doktor Paul McKay an einem Impfstoff gegen das Virus 2019-nCoV. AFP

Singapur, Mallorca, Alpen: Britischer Geschäftsmann als „Superverbreiter“.

Brighton, Peking, Wuhan Von Singapur über die Alpen bis nach Mallorca: Ein Brite hat das Coronavirus an mindestens elf Menschen weitergegeben, ohne China betreten zu haben. Die britische Presse nennt ihn einen „super spreader“, einen „Superverbreiter“. Experten sehen darin einen Modellfall für die Ausbreitung des Virus: Infiziert hat sich der Geschäftsmann nach bisherigen Erkenntnissen bei einer Konferenz in Singapur. Da­ran nahmen vom 20. bis 22. Jänner mehr als hundert Menschen teil, darunter mindestens ein Chinese aus der Provinz Hubei. Dort wurden die meisten der inzwischen mehr als 1000 Toten gemeldet. Der rund 40 Jahre alte Brite reiste dann nach Frankreich, wo er vom 24. bis 28. Jänner einige Urlaubstage mit Landsleuten in dem Skiort Contamines-Montjoie verbrachte. Als er bei seiner Rückkehr nach England Fieber bekam, ging er in ein Ärztezentrum der Küstenstadt Brighton. Dort wurde das Coronavirus bei ihm diagnostiziert. Am 6. Februar wurde er in die Londoner Klinik St. Thomas verlegt.

Daraufhin stellten die britischen Behörden bei fünf weiteren Menschen, die in dem Skiort mit dem Mann Kontakt hatten, das Virus fest. Die französischen Behörden schlugen ebenfalls Alarm: Sie testeten fünf weitere Briten, die in derselben Alpen-Skihütte wie der Mann übernachtet hatten, positiv auf das Coronavirus. Unter den Infizierten ist ein Kind. Weitere Touristen sind unter Beobachtung, niemand zeigte bisher Symptome. Auch Passagiere eines Flugs von Genf nach England, den der Brite zur Rückkehr in sein Heimatland nahm, wurden untersucht. Inzwischen ist auf der spanischen Ferieninsel Mallorca ein weiterer Fall aufgetaucht, der mit dem Briten in Verbindung steht: Ein Familienvater habe sich Ende Jänner in Frankreich angesteckt, hieß es.