Erdogan öffnet Hagia Sophia für muslimische Gebete

Welt / 10.07.2020 • 16:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Erdogan öffnet Hagia Sophia für muslimische Gebete
APA

Gegen den Widerstand von UNESCO und orthodoxen Kirchen soll aus dem Museum nun eine Moschee werden.

Istanbul Nach dem Gerichtsurteil zur Umwandlung der Basilika Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee soll das Gebäude nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für muslimische Gebete geöffnet werden. Die Hagia Sophia werde der Aufsicht der Religionsbehörde (Diyanet) unterstellt und für muslimische Gottesdienste geöffnet, erklärte Erdogan am Freitag auf Twitter.

Zuvor hatte das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei den Weg dafür geebnet, die Hagia Sophia in eine Moschee umzuwandeln. Laut Nachrichtenagentur Anadolu erkannte das Gericht den seit 1935 bestehenden Status eines Museums für den Bau aus dem 6. Jahrhundert ab.

Die UNESCO hatte die Türkei vor der eigenmächtigen Umwandlung des historischen Gebäudes in eine Moschee gewarnt. Mit dem Status als Weltkulturerbe seien “eine Reihe von Zusagen und rechtlichen Verpflichtungen verbunden”, erklärte die UN-Kulturorganisation und rief die Türkei vor einer Entscheidung zum Dialog auf.

Ein Staat dürfe “keine Veränderung an dem herausragenden universellen Wert” eines Welterbe-Monuments vornehmen, unterstrich die UNESCO. Die Hagia Sophia gehört als Teil der Istanbuler Altstadt zum Welterbe.

Von der Kirche über Moschee zum Museum

Die im 6. Jahrhundert nach Christus erbaute Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) war fast ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit und Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, in der die Kaiser gekrönt wurden. Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen wandelte Sultan Mehmet II. (“Der Eroberer”) die Hagia Sophia in eine Moschee um und fügte als äußeres Kennzeichen vier Minarette hinzu. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung in ein Museum an.

Erdogan hatte die Umwandlung in ein Museum zuletzt als “großen Fehler” bezeichnet. Die säkulare türkische Opposition und die USA als wichtigster Verbündeter der Türkei sind allerdings gegen eine Nutzung als Moschee. APA

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.