Eine Narbe, die bleibt

Welt / 10.11.2020 • 22:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Etwa 600 Angehörige der Opfer der Seilbahnkatastrophe von Kaprun nahmen am Trauergottesdienst anlässlich des ersten Jahrestages bei der Gedenkstätte teil.  AP
Etwa 600 Angehörige der Opfer der Seilbahnkatastrophe von Kaprun nahmen am Trauergottesdienst anlässlich des ersten Jahrestages bei der Gedenkstätte teil. AP

Am 11. November 2000 kamen in Kaprun 155 Menschen ums Leben.

Kaprun, Zell am See Heute jährt sich die Seilbahnkatastrophe von Kaprun im Pinzgau zum 20. Mal. 155 Menschen kamen bei dem Brand eines Zuges der Kitzsteinhorn-Gletscherbahn am 11. November 2000 ums Leben. „Das, was geschehen ist, tut uns unendlich leid“, erklärte der damalige Bürgermeister und heutige Vorstand der Gletscherbahnen, Norbert Karlsböck, in einer Aussendung des Landes Salzburg. Für ihn sei der Brandunfall das dramatischste Ereignis der Ortsgeschichte, so Karlsböck. „Der 11. November ruft das tragische Ereignis für alle Angehörigen, Überlebenden, Mitarbeiter und Gemeindebürger wieder in schmerzhafte Erinnerung. Es ist ein Tag der Trauer und des Gedenkens. Wir bitten alle Betroffenen aus ganzem Herzen um Verzeihung.“
Auch Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer meldete sich zu Wort. „Die juristischen und technischen Folgen sind zwar aufgearbeitet, doch die Narben sind auch zwei Jahrzehnte danach noch immer vorhanden.

Doch ebenso wirkt der Zusammenhalt der Bevölkerung in der schweren Zeit nach dem Unglück noch nach.“ Der Tunnelbrand der Standseilbahn sei in Österreich die größte Katastrophe seit Ende des Zweiten Weltkrieges gewesen, die den Einsatzkräften eine „fast übermenschliche“ Leistung abgerungen habe. „Ein persönlicher bleibender Eindruck war diese Schicksalshaftigkeit des Unglücks, diese Unvorhersehbarkeit. Es war eine Katastrophe, die sich tief in das Bewusstsein des Landes eingegraben hat“, erklärte er.

Strafverfahren

Im Strafverfahren um die Seilbahnkatastrophe sind alle 16 Beschuldigten rechtskräftig freigesprochen worden. In dem Prozess hat Haslauer, damals Rechtsanwalt, einen Beschuldigten verteidigt. Laut Urteil ist der Brand wegen eines Gebrechens im Heizlüfter ausgebrochen. Durch eine Verkettung von unglücklichen Umständen sei es in der Folge zu dieser Katastrophe gekommen. Viele Hinterbliebene konnten nicht verstehen, dass es für ein solches Ereignis keine Schuldigen geben soll. Einige von ihnen bezweifelten das Ergebnis und kämpften um ein neues Verfahren.

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