Opfer um Verzeihung gebeten

Welt / 08.02.2022 • 22:36 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Papst Benedikt XVI. bittet Missbrauchsopfer um Entschuldigung. APA/dpa
Papst Benedikt XVI. bittet Missbrauchsopfer um Entschuldigung. APA/dpa

Missbrauchsgutachten: Benedikt XVI. entschuldigt sich in Schreiben und streitet ab.

Vatikanstadt, München Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche um Verzeihung gebeten – konkrete Vertuschungsvorwürfe gegen sich aber entschieden zurückgewiesen. „Ich habe in der katholischen Kirche große Verantwortung getragen. Umso größer ist mein Schmerz über die Vergehen und Fehler, die in meinen Amtszeiten und an den betreffenden Orten geschehen sind“, schrieb er in einer Stellungnahme, die der Vatikan am Dienstag veröffentlichte. Er wolle seine „tiefe Scham“, seinen „großen Schmerz“ und seine „aufrichtige Bitte um Entschuldigung gegenüber allen Opfern sexuellen Missbrauchs zum Ausdruck bringen“, heißt es in dem Schreiben.

Der frühere Kardinal Joseph Ratzinger steht seit Wochen heftig in der Kritik, weil ihm ein Gutachten zu Missbrauchsfällen im Erzbistum München und Freising Fehlverhalten in vier Fällen vorwirft. Ratzinger solle in seiner Zeit als Münchner Erzbischof Priester, die Kinder missbraucht hatten, wieder in der Seelsorge einsetzt haben. Diese Vorwürfe werden in einem am Dienstag veröffentlichten „Faktencheck“ von Ratzingers Anwälten und Beratern kategorisch abgestritten. Laut dem Gutachten wurden mindestens 497 Kinder und Jugendliche zwischen 1945 und 2019 in dem katholischen Bistum von Priestern, Diakonen oder anderen Mitarbeitern der Kirche sexuell missbraucht.

Die Reaktionen auf die Stellungnahme waren unterschiedlich. Kinderschutzexperte Hans Zollner sieht im Brief Ratzingers ein Spiegelbild für dessen Umgang mit dem Thema Missbrauch. „Ich stelle fest, dass er sich zunächst bei seinen Freunden bedankt und dann erst die Betroffenen kommen.“ Theologe und Psychiater Manfred Lütz nannte die Erklärung einen „Befreiungsschlag“: „Papst Benedikt übernimmt ohne Wenn und Aber die (…) politische Verantwortung für das, was in seiner Zeit (…) an Schrecklichem geschehen ist.“