Haitianer fliehen vor Bandenkrieg

Welt / 01.05.2022 • 22:28 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Bewohner in Port-au-Prince fliehen vor den Bandenkriegen. Allein letzte Woche wurden 20 Menschen getötet.Reuters
Bewohner in Port-au-Prince fliehen vor den Bandenkriegen. Allein letzte Woche wurden
20 Menschen getötet.Reuters

In Haitis Hauptstadt Port-au-Prince herrschen kriegsähnliche Zustände.

Port-au-Prince Eltern packen ihre Kinder an den Händen und rennen um ihr Leben. Es sind Tausende, die in diesen Tagen aus ihren Wohnungen und Häusern fliehen müssen und nur noch schnell ein paar wenige Habseligkeiten mitnehmen können. Sie flüchten vor Kämpfen zwischen Verbrecherbanden, die Teile von Haitis Hauptstadt Port-au-Prince in eine regelrechte Kriegszone verwandelt haben. Mindestens 20 Menschen kamen letzte Woche ums Leben.

„Ich habe alles zurückgelassen“, sagt die 35-jährige Kerline Brutus, die mit ihren drei Kindern ihr einst ruhiges Wohnviertel Butte Boyer fluchtartig verlassen musste. Mehr als 25 Jahre hat sie dort gelebt, ihren 96-jährigen gelähmten Vater musste sie zurücklassen, weil sie ihn nicht tragen konnte. „Ich weiß nicht, wie es ihm geht, ob er noch am Leben ist“, sagt sie.

Die Bandenkriminalität ist kein neues Problem in Port-au-Prince. Doch sie wird immer schlimmer. Seit im vergangenen Juli Präsident Jovenel Moïse bei einem Attentat ermordet wurde, ist ein politisches Vakuum entstanden und die Verbrecherbanden versuchen, immer mehr Territorium an sich zu reißen. Und jetzt wird auch in einst vergleichsweise friedlichen Vierteln wie Butte Boyer im Norden der Hauptstadt gekämpft.

Tausende Haitianer, die vergangenes Jahr wegen der Bandenkriege aus Martissan südlich von Port-au-Prince fliehen mussten, leben immer noch in überfüllten Notunterkünften mit desaströsen hygienischen Bedingen. Dort ist für neue Flüchtlinge kein Platz.

Emmanuel Piersaint vom haitianischen Zivilschutz sagte der AP, man habe einigen der vertriebenen Familien Kulturbeutel und einfache Mahlzeiten mit Nudeln, Reis und Bohnen gegeben. „Wir hoffen, die Situation wird nicht noch schlimmer.“