Der Ballermann wird 50

Welt / 15.05.2022 • 22:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mehr Natur- und Kulturliebhaber statt massenhaft Sauftouristen - Playa de Palma möchte neue touristische Wege gehen. REUTERS
Mehr Natur- und Kulturliebhaber statt massenhaft Sauftouristen – Playa de Palma möchte neue touristische Wege gehen. REUTERS

Nach fünf Jahrzehnten und Pandemie steht die Partymeile am Scheideweg.

palma Unter den Deutschen, die jetzt im Mai die Playa de Palma genießen, scheint es unabhängig vom Jahrgang nur eine Meinung zu geben: Im Jahr seines (inoffiziellen) 50. „Gründungsjahres“ ist der Ballermann nicht mehr das, was er bis vor wenigen Jahren noch war. „Vor Corona war schon geiler ohne die vielen Benimmregeln“, klagt etwa Dennis aus dem Münsterland.

Die Anfänge des Ballermann

Doch wie ist der ca. 4,5 Kilometer lange Strandabschnitt an der Südküste Mallorcas zum Sehnsuchtsort Nummer eins der Deutschen geworden? Um die Herkunft der Bezeichnung „Ballermann“ ranken sich viele Legenden. Aber niemand behauptet mit mehr Nachdruck, „Erfinder“ des Ballermann gewesen zu sein, als die Mitglieder des Kölner Fußball-Thekenclubs FC Merowinger, die nach eigenen Angaben seit 1972 jedes Jahr am Strandlokal „Balneario 6“ Party machen.

Als sicher gilt, dass „Ballermann“ eine Verballhornung des Wortes „Balneario“ (Heilbad) ist. So heißen an der Playa die seit 1972 durchnummerierten Strandlokale. Damals wurden für das feierwütige Publikum immer mehr Discos und Kneipen eröffnet. Als ein Inselgastronom begann, deutsches Fassbier auszuschenken, gab es kein Halten mehr. Der Ballermann wurde zum Kult. Die Kassen klingelten immer lauter. Doch das Treiben an der Playa ist dem Rathaus schon länger ein Dorn im Auge. „Für die Sauftouristen ist auf unserer Insel kein Platz mehr“, sagte der balearische Regierungssprecher Iago Negueruela.

Nun steht der Ballermann am Scheideweg. Die Partymeile soll künftig Naturliebhaber, Kultururlauber und Luxustouristen anziehen. Doch die Baller-Männer und -Frauen sind anderer Meinung und sparen nicht mit Kritik. Die meisten wollen der Insel aber dennoch treu bleiben, denn „Malle ist Malle, und dat läuft immer!“