Ein Urteil, aber wenige Antworten

Welt / 29.06.2022 • 22:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Salah Abdeslam ist der einzige überlebende Attentäter. AP
Salah Abdeslam ist der einzige überlebende Attentäter. AP

Die Anschläge werden als Angriff auf die französische Lebensweise gesehen. Neue Erkenntnisse blieben aus.

Paris Im Prozess um die islamistische Anschlagsserie vom 13. November 2015 in Paris sind am Mittwochabend die Urteile gesprochen worden. Der einzige Überlebende des Terrorkommandos, der Hauptangeklagte Salah Abdeslam, wurde schuldig gesprochen, ebenso wie die 19 anderen Angeklagten. Damit geht ein gut neun Monate langes Mammutverfahren zu Ende.

Die Verkündung der Urteile des Schwurgerichts im Pariser Justizpalast verzögerte sich um drei Stunden. Abdeslam erhielt die geforderte Höchststrafe einer lebenslangen Haft ohne die Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung. Die Staatsanwaltschaft hatte für die 20 Angeklagten Haftstrafen zwischen fünf Jahren wie auch Aufenthaltsverbote in Frankreich verlangt.

Die Staatsanwaltschaft sah in dem 32-jährigen Franzosen Abdeslam eine Schlüsselfigur der Anschläge und sprach von einer immensen Schwere seiner Taten. Die Verteidigung forderte mit Blick auf mögliche spätere Haftverkürzungen, Abdeslam keine „langsame Todesstrafe“ zu geben. Der Beschuldigte wurde bereits in Belgien wegen Schüssen auf die Polizei zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt und sitzt derzeit in Frankreich unter besonderen Auflagen in Haft.

Von den 19 Angeklagten wurde sechs der Prozess in Abwesenheit gemacht. Ein Beschuldigter sitzt in der Türkei in Haft, fünf sollen in Syrien gestorben sein. Die Angeklagten sollen unter anderem Papiere besorgt haben, Abdeslam außer Landes gebracht haben, verhinderte Attentäter oder Helfershelfer sein.

Viele erhofften sich von dem Prozess Antworten von den Beschuldigten und teils auch von der Politik. Ein wesentlicher Erkenntnisgewinn blieb aber aus. Der Hauptangeklagte Abdeslam relativierte seine Verantwortung immer wieder, schob die Schuld für die tödlichen Anschläge und das verursachte Leid auf die französische Politik und glorifizierte den IS.

Die Terrornacht

Bei den Anschlägen hatten Extremisten 130 Menschen getötet und 350 weitere verletzt. Sie richteten ein Massaker im Konzertsaal Bataclan an und beschossen Bars und Restaurants im Osten der französischen Hauptstadt. Drei Selbstmord­attentäter sprengten sich während eines Fußball-Länderspiels zwischen Deutschland und Frankreich am Stade de France in die Luft. Einer der Attentäter wurde an dem Abend von der Polizei erschossen, weitere starben bei einem Polizeieinsatz wenige Tage später.

Die Anschläge waren für viele in Frankreich ein Zeichen, dass jeder ein Opfer werden könnte, und erschütterten das Land.  AP/ena
Die Anschläge waren für viele in Frankreich ein Zeichen, dass jeder ein Opfer werden könnte, und erschütterten das Land.  AP/ena