Ärger wegen Kopfschmuck

Welt / 28.07.2022 • 22:44 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Papst Franziskus (r.) bekam den traditionellen Federkopfschmuck bei seinem Besuch in Alberta überreicht.  RTS
Papst Franziskus (r.) bekam den traditionellen Federkopfschmuck bei seinem Besuch in Alberta überreicht.  RTS

Auch die Vergebungsbitte von Franziskus wurde in Kanada teils scharf kritisiert.

Ottawa Das symbolische Geschenk an Papst Franziskus zum Auftakt seiner „Bußreise“ in Kanada ist unter Indigenen umstritten. Wie die Kathpress berichtet, hatte Franziskus am Montag den traditionellen Federkopfschmuck nach seiner Entschuldigung im Namen der katholischen Kirche für die Zwangsassimilierung von rund 150.000 indigenen Kindern erhalten. „Mit der Übergabe des Kopfschmucks wird ein Mann als Ehrenhäuptling geehrt und damit zu einem unserer Gemeinschaft“, verteidigte der Stammesälteste der Samson Cree, John Crier, das Geschenk laut örtlichen Medienberichten. Es sei eine Anerkennung der Arbeit, die Franziskus geleistet habe, so Crier, der selbst Schüler einer „Residential School“ war. Ganz anders fiel die Reaktion der Aktivistin für die Rechte indigener Völker, Riley Yesno, auf die Übergabe des traditionellen Federschmucks aus. Es sei „frustrierend“, dass dem Papst eine so hohe Ehre zuteil werde. „Die Kirche befindet sich in dieser Position, weil sie sich nicht sehr ehrenhaft verhalten hat“, so Yesno. Und sie verhalte sich auch weiterhin nicht ehrenhaft, erklärte sie mit Blick auf noch nicht eingelöste Forderungen der Indigenen.

Eine ähnliche Position vertrat die Professorin für indigene Studien der Universität Manitoba, Niigaan Sinclair. Franziskus habe zwar guten Willen gezeigt, aber dafür allein noch nicht verdient, „ein uns heiliges Geschenk erhalten“.

„Tiefes Loch“

Auch die Vergebungsbitte des Papstes wurde von Vertretern der indigenen Minderheit teils scharf kritisiert. „Trotz der historischen Entschuldigung hat die Erklärung des Heiligen Vaters ein tiefes Loch bei der Anerkennung der vollen Rolle der Kirche im Internatsschulsystem gelassen, indem er die Schuld einzelnen Mitgliedern der Kirche zuwies“, sagte Murray Sinclair, ehemaliger Senator von Manitoba und Angehöriger der Nation der Anishinaabe laut Kathpress.