Vulkane als tickende Zeitbomben

Welt / 01.09.2022 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der gewaltige Ausbruch des Untersee-Vulkans Hunga Tonga-Hunga-Ha‘apai in der Nähe des Inselreichs Tonga war nach Ansicht von Experten der weltweit stärkste seit 30 Jahren. RTS
Der gewaltige Ausbruch des Untersee-Vulkans Hunga Tonga-Hunga-Ha‘apai in der Nähe des Inselreichs Tonga war nach Ansicht von Experten der weltweit stärkste seit 30 Jahren. RTS

Forscher warnen vor Gefahr von Ausbrüchen und deren drastischen Folgen.

Cambridge, Birmingham Ein massiver Vulkanausbruch könnte die Welt in eine Krise von ähnlichem finanziellem Ausmaß stürzen wie die Corona-Pandemie. Davor warnen Wissenschafter des Centre for the Study of Existential Risk (CSER) an der Universität Cambridge und von der Uni Birmingham. In einem Artikel, den die Forscher im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichten, mahnen sie eindringlich, die Gefahr ernst zu nehmen und mehr Geld in die Beobachtung von Vulkanen und die Ernstfall-Vorbereitung zu stecken.

Die Welt sei „bedauernswert unvorbereitet“ für einen massiven Vulkanausbruch und die wahrscheinlichen Folgen für globale Lieferketten, Klima und Nahrungsmittel, heißt es darin. Den Wissenschaftern zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch der Stärke 7 oder größer in 100 Jahren bei einem Sechstel. Die Analyse von Schwefelkonzentrationen in Eisbohrkernen ergab demnach, dass solche Ausbrüche statistisch gesehen alle 625 Jahre auftreten. Eruptionen dieses Ausmaßes hätten in der Vergangenheit abrupte Klimaveränderungen und den Kollaps ganzer Zivilisationen ausgelöst, warnte die Risiko-Expertin Lara Mani vom CSER einer Mitteilung zufolge. Sie vergleicht die klimatischen Folgen eines massiven Vulkanausbruchs mit dem Einschlag eines Asteroiden von einem Kilometer Durchmesser auf der Erde.

Obwohl das kombinierte Risiko einer Asteroiden- oder Kometenkollision mit der Erde nur ein Hundertstel der eines massiven Vulkanausbruchs betrage, werde sehr viel mehr Geld in die Beobachtung von Asteroiden gesteckt als in die Erforschung von Vulkanen, bemängeln die Forscher. „Das muss sich dringend ändern,“ sagte Mani.

Als Weckruf sollte den Forschern zufolge der Ausbruch auf der Südseeinsel Tonga im Jänner dieses Jahres dienen. Hätte sie länger angedauert, mehr Asche und Gas emittiert oder in einer Region mit mehr kritischer Infrastruktur stattgefunden, wie dem Mittelmeer, wären die Folgen wohl verheerend gewesen, so die Wissenschafter.