Pilger-Flut am Jakobsweg

Welt / 17.11.2022 • 22:42 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Mehr als 430.000 Wallfahrer erhielten 2022 bereits die Ankunftsurkunde.
Mehr als 430.000 Wallfahrer erhielten 2022 bereits die Ankunftsurkunde.

Vermüllung, Lärm und Vandalismus nehmen in Sanitago de Compostela immer mehr zu.

Santiago de Compostela Am Ziel des Jakobsweges in Santiago de Compostela herrscht dieses Jahr Hochkonjunktur – sogar jetzt noch im Herbst. Mehr als 430.000 Wallfahrer erhielten 2022 bereits die Ankunftsurkunde, wie die Pilger-Behörde Oficina del Peregrino informiert. Das sind gut 20 Prozent mehr als im gesamten bisherigen Rekordjahr 2019. Dabei holen sich viele die Urkunde gar nicht ab – und werden nicht gezählt. Im Wallfahrtsort im Nordwesten Spaniens klingeln die Kassen lauter denn je. Die Betreiber der inzwischen sehr teuren Hotels, Privatunterkünfte, Souvenirläden und Gaststätten reiben sich die Hände. Aber nicht alle freuen sich. Denn anders als in Lourdes oder Fátima stehen Religiosität und Andacht hier längst nicht mehr im Mittelpunkt der Besucherströme. Vermüllung, Lärm und Vandalismus nehmen immer mehr zu. Viele Bewohner der von der Unesco geschützten Altstadt sind wütend oder verzweifelt.

„Es ist eine Tendenz, die schon vor einigen Jahren begann, aber dieses Jahr war es besonders schlimm, im Sommer war es zeitweilig schlicht unerträglich“, erzählt eine Bewohnerin der Deutschen Presse-Agentur. Im Zentrum der Hauptstadt Galiciens ist es tagsüber schon sehr laut. Abends dann noch um einiges mehr. Vor allem in der Rua de Franco, der 400 Meter langen Partymeile unweit der Kathedrale.

In Medien und den sozialen Netzwerken ist die Kritik drastisch. Der Massentourismus „wie in Venedig oder auf Mallorca“ bringe die Stadt mit 96.000 Einwohnern und der beschränkten Infrastruktur „an den Rand des Kollaps“. Der traditionelle Handel wird von Souvenirläden, hippen Bars und Ketten verdrängt. Wegen des Airbnb-Booms herrscht dramatischer Wohnungsmangel. Regionalmedien warnen, der Jakobsweg könne „am eigenen Erfolg zugrunde gehen“.

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