Ein Chromosom mehr . . .

Wetter / 20.03.2013 • 20:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Martina Natter hat ihre muntere Rasselbande gut im Griff. Foto: VN/Hofmeister
Martina Natter hat ihre muntere Rasselbande gut im Griff. Foto: VN/Hofmeister

Heute ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Für Martina Natter wiederholt er sich täglich.

Lauterach. (VN-mm) „Er hat ein Chromosom mehr, also haben wir auch beim Namen genommen, was möglich war.“ Humorvoll beantwortet Martina Natter die Frage nach der Schreibweise von Matthias, dem Namen ihres mit Trisomie 21 geborenen Sohnes. Das Familienleben selbst bezeichnet sie als turbulent. „Wie es mit drei Buben ebenso ist.“ Alles ganz normal also? „Das nun auch wieder nicht“, meint sie. Ein Kind mit Behinderung sei eine Herausforderung und nicht immer nur niedlich und nett, wie speziell Down-Syndrom-Kinder gerne dargestellt würden. „Aber“, sagt Martina Natter, „man wächst mit der Aufgabe.“

Keine Auffälligkeiten

Matthias (8), Sebastian (7) und Maximilian (2): Wenn sie durch die Wohnung toben, geht die Post ab. Hin und wieder ist da schon ein gestrenges Wort der Mutter nötig. Doch insgesamt strahlt Martina Natter eine heitere Gelassenheit aus. Als die ehemalige Bankangestellte mit ihrem ersten Kind schwanger war, deutete nichts auf Umstände hin, die intensivere Untersuchungen gerechtfertigt hätten. Die üblichen Mutter-Kind-Pass-Kontrollen schienen ausreichend. Im Rückblick betrachtet ist Martina Natter heilfroh, dass keine Auffälligkeiten festgestellt wurden. „So brauchten wir keine Entscheidung zu treffen, hielten einfach ein süßes Baby im Arm.“

Die Mitteilung, dass ihr Sohn mit Trisomie 21 geboren wurde, traf die Eltern trotzdem hart. „Doch der Arzt klärte uns sehr gut auf“, erzählt Martina Natter.

Sie hätte sich damals aber auch eine junge Mutter mit den gleichen Erfahrungen an ihrem Bett gewünscht. „Nur damit ich gewusst hätte, dass ich nicht die Einzige mit einem behinderten Kind bin.“ Die Frau mit dem Faible fürs Heimwerken ist so gradlinig wie die Bänke, die sie zimmert. Ja, und Informationen zu den Unterstützungsmöglichkeiten, die fehlten Martina Natter ebenfalls. „Man kämpft mit der Bürokratie mitunter mehr als mit dem Kind“, merkt sie an. Inzwischen gehört sie zu jenen, die Eltern mit Down-Syndrom-Kindern helfend zur Seite stehen. Seit fünf Jahren arbeitet die Lauteracherin im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Down-Syndrom mit.

Infostand im Messepark

Sie wird auch am heutigen Welt-Down-Syndrom-Tag an einem Infostand im Messepark in Dornbirn für Fragen zur Verfügung stehen. „Es ist uns wichtig, positive und realistische Botschaften über das Leben von und mit Menschen mit Down-Syndrom zu vermitteln“, erklärt Natter. Und die Realität ist eben die, dass Kinder mit Behinderung nicht nur sonnige Wesen sind. Matthias etwa kann ein richtiger Trotzkopf sein. Dann wieder plaudert der Feuerwehrfan fröhlich drauflos. Der Achtjährige ist auch ein guter Schüler. Von Anfang an haben ihn seine Eltern gefördert und gefordert. Logopädie, Therapien, die ihm das Erlernen der Sprache erleichterten, Schwimmen, Klettern, Skifahren: Doch seine Mutter achtet genau darauf, „was geht und was nicht“. Dass der Bub das Sprechen lernt, war Martina Natter aber ein besonderes Anliegen. Denn: „Kommunikation ist wichtig. Je besser er verstanden wird, umso besser kann er dabei sein.“

Matthias ist dabei. In seiner Familie sowieso und außerhalb auch. Integration kann funktionieren.

Es ist uns wichtig, realistische Botschaften zu vermitteln.

Martina Natter

Zur Person

Martina Natter

Geboren: 28. April 1972 in Bregenz

Wohnort: Lauterach

Familienstand: verheiratet, 3 Kinder

Beruf: Hausfrau

Hobbys: ARGE Down-Syndrom, Pfadfinder, Lesen, Stricken, Malen, Heimwerken