Ein rühriger Naturfreund

Wetter / 16.10.2013 • 17:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jeden Sommer organisiert Walter Gunz (rechts im Bild) eine Kletterwoche für Kinder in der Silvretta. Foto: Privat
Jeden Sommer organisiert Walter Gunz (rechts im Bild) eine Kletterwoche für Kinder in der Silvretta. Foto: Privat

Wie Walter Gunz erstmals Naturfreunde und Alpenverein zusammenbrachte.

Bludenz. (VN-mm) Im Vergleich zum Jubiläum, das die Naturfreunde Bludenz heute feiern, geht Walter Gunz noch als Jungspund durch. Denn die Ortsgruppe wird 100, er selbst zählt erst flotte 44 Lenze. Naturfreunde-Mitglied ist er seit fünf Jahren. In dieser kurzen Zeit hat der Kletterfreund aber geradezu Epochales geschafft, nämlich eine Zusammenarbeit mit dem Alpenverein. Gemeinsam wurde der erste Boulder-Cup für Kinder organisiert. „Ein Vorzeigeprojekt“, wie der Hauptorganisator meint. Er hofft, dass noch viele solcher Aktivitäten im Sinne der Nachwuchsförderung folgen.

Sport als Ausgleich

Bouldern ist Klettern ohne Seil in Absprunghöhe. Es findet immer mehr Anhänger. Besonders unter den Kindern. Auch der Bewerb lockte rund 60 kletterbegeisterte Mädchen und Buben an. In einer wahren Hauruck-Aktion funktionierten Walter Gunz und seine Helfer dafür den Turnsaal des Gymnasiums Bludenz in eine Kletterhalle um. „Es gab nur einem Termin, zu dem der Raum verfügbar war, deshalb musste es schnell gehen“, erzählt Gunz. Und weil alle tatkräftig mitgeholfen haben, klappte die Sache trotz Hektik wie am Schnürchen.

Der Sport ist ein wichtiger Teil im Leben des selbstständigen Versicherungsmaklers. Er verschafft ihm den nötigen Ausgleich zum zeitintensiven Berufsalltag. Als Jugendlicher gehörte Walter Gunz dem Turnverein Bludenz an. Außerdem arbeitete er zehn Jahre lang als Fitnesstrainer. Dann zwang ihn ein Bandscheibenvorfall in die Knie. Schließlich bekam er den guten Rat, es doch einmal mit Klettern zu versuchen. Gesagt. Getan. Walter Gunz absolvierte einen Kletterkurs und steckte mit seiner aufkeimenden Leidenschaft schnell auch seine Kinder Jessica (11) und Benjamin (13) an. Weil gemeinsam vieles besser geht, erkundigte sich der Vater nach einer Mitgliedschaft beim Alpenverein Bludenz. Doch die Gruppe war derart überlaufen, dass schon Wartelisten geführt wurden.

Mangel an Trainingsstätten

Aber es gab ja noch die Naturfreunde. Hauptsache klettern, egal bei welcher ­Organisation. Die eigenen Ambitionen hat Walter Gunz inzwischen der Jugend zuliebe zurückgesteckt. „Es macht Spaß, die Freude der Kinder zu sehen. Wir sind eine große Familie geworden“, erzählt er euphorisch. Mit fünf anderen Trainern betreut er etwa Mädchen und Buben im Alter zwischen 7 und 14 Jahren. Das größte Problem stellt laut Gunz der Mangel an Trainingsstätten im Oberland dar. Einzig die Turnhalle des Gymnasiums steht den eifrigen Nachwuchsbouldern an jedem Freitag zur Verfügung.

In vielen anderen Fällen heißt es ausweichen. „Feldkirch, St. Gallen, St. Anton am Arlberg: Unsere Kinder kennen schon viele Kletterhallen“, sagt Walter Gunz, der diesbezüglich etwas neidvoll ins Tirol schaut, wo die Möglichkeiten ungleich besser sind. Eine eigene Halle steht deshalb ganz oben auf der Wunschliste des rührigen Naturfreunds.

Eine „gemütliche Gruppe“

Dass der schlussendlich irgendwie doch noch beim Alpenverein landete, ist einer Begegnung zwischen Trainern zuzuschreiben. „Einige unserer Kinder klettern im B-Kader mit. Da haben wir uns kennengelernt“, so Gunz. Daraus entstand eine „gemütliche Gruppe“, die nach dem gelungenen Start nun Interesse an weiteren gemeinsamen Projekten zeigt. Und Ideen wälzt der Anhänger gepflegter Whiskykultur noch genug.

Wir sind eine große Familie geworden.

Walter Gunz

Zur Person

Walter Gunz

Geboren: 29. April 1969 in Bludenz

Wohnort: Nüziders

Familienstand: verheiratet, 2 Kinder

Beruf: selbstständiger Versicherungsmakler

Hobbys: Radfahren, Skitouren, Klettern, italienische Küche

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