Autos Sehen beibringen

Wetter / 04.06.2014 • 19:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Andreas Wendel mit einem Prototyp von Googles selbstfahrenden Autos. Foto: TU Graz/Lunghammer

Andreas Wendel mit einem Prototyp von Googles selbstfahrenden Autos. Foto: TU Graz/Lunghammer

Der Feldkircher Andreas Wendel entwickelt für Google selbstfahrende Autos.

graz, silicon valley. (VN-stm) Von dem, was der 30-Jährige erreicht hat, träumen viele Studenten technischer Studiengänge: Seit August des vorigen Jahres arbeitet Wendel für den amerikanischen Internetriesen Google, und zwar ausgerechnet im berühmten Forschungslabor mit dem geheimnisvollen Namen „Google X“. Dort also, wo die Technologien der Zukunft entwickelt werden. Google Glass etwa, der Minicomputer in Brillenform, wurde hier aus der Taufe gehoben.

An einem nicht minder aufregenden Zukunftsprojekt arbeitet Wendel derzeit selbst mit. Google will schon bald die Fahrzeugindustrie mit selbstfahrenden Autos (Self-Driving Cars) revolutionieren. Dafür schreibt der gebürtige Feldkircher Algorithmen, die Autos das „Sehen“ beibringen. Genauer gesagt: Seine Software erlaubt es den Autos, aus Kamerabildern jene Informationen zu extrahieren, die ihnen das Navigieren auf der Straße erst ermöglichen.

Trompeten in der NASA

Der Weg zum Branchenführer war dabei durchaus steil. 2012 war Wendel für einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt an der renommierten Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Dort wurde er erstmals von einem Google-Bediensteten angesprochen. Danach begann ein Rekrutierungsprozess, der sechs einstündige Interviews umfasste. Am Ende stand der Traumjob im Silicon Valley.

Bereut hat Wendel die Entscheidung bisher nicht. „Google ist wirklich eine tolle Firma, es gefällt mir sehr gut hier“, schwärmt der Feldkircher von seinem Arbeitgeber. Besonders angetan hat es ihm die Innovationsschmiede Silicon Valley: „Die Atmosphäre ist beeindruckend“, sagt Wendel. „Das ganze Umfeld ist sehr innovativ, ich treffe viele interessante Leute, die in Start-ups aktiv sind und Kollaborationen sehr groß schreiben.“ Auch privat fehlt es Wendel an nichts. Seine Frau Julia hat ihn in die USA begleitet und arbeitet nun als Mathematiklehrerin. Selbst seiner großen Leidenschaft kann der 30-Jährige im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nachgehen. Im NASA International Space Orchestra spielt er neben Astro-Biologen und Flight Directors der US-Raumfahrtbehörde.

Promotion „Sub auspiciis“

Wirklich überraschend kommt Wendels Aufstieg zum Weltklasseforscher nicht. Der Feldkircher war schon immer ein Musterschüler. Die Matura an der HTL Rankweil schloss er nur mit den besten Noten ab. An der TU Graz machte er in derselben Tonart weiter. Topleistung reihte er an Topleistung. Quasi nebenbei heimste das Superhirn 14 wissenschaftliche Preise ein.

Am Mittwoch weilte Wendel wieder in Österreich, um „unter den Auspizien“ von Bundespräsident Heinz Fischer zu promovieren. In der feierlichen Zeremonie an der TU Graz steckte ihm Landeshauptmann Franz Voves den Ehrenring mit dem Bundesadler an den Finger. „Es war nicht das große Ziel, freut mich aber dennoch sehr, dass das geklappt hat“, so Wendel in einer ersten Reaktion.

Wohin es den umtriebigen Forscher in der Zukunft verschlagen wird, weiß er noch nicht. Zunächst werde er mit seiner Frau noch ein paar Jahre in den USA verbringen. Eine Rückkehr nach Vorarlberg ist aber nicht ausgeschlossen: „Spätestens wenn es an die Familienplanung geht, ist das natürlich ein Thema.“

Google ist wirklich eine tolle Firma, es gefällt mir sehr gut hier.

Andreas Wendel

Zur Person

Andreas Wendel

Robotics Researcher bei Google, arbeitet für den Internetriesen an selbstfahrenden Autos

Geboren: 18. März 1984 in Feldkirch

Ausbildung: Studium an der TU Graz in Telematik (Bachelor, Master, PhD); Promotion „Sub auspiciis“

Familie: verheiratet

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