Engel aus Notenblättern

Wetter / 21.11.2014 • 18:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Brigitte Wörz hat für morgen viel Schönes und auch Außergewöhnliches vorbereitet. Foto: VN/Steurer
Brigitte Wörz hat für morgen viel Schönes und auch Außergewöhnliches vorbereitet. Foto: VN/Steurer

Brigitte Wörz ist eine altgediente Standlerin beim Vorklöschtner Adventmärktle.

hard. (VN-mm) Behutsam dreht Brigitte Wörz den aus dünnem Draht geformten Hirtenstab nach außen. „So ist es richtig“, sagt sie und lächelt zufrieden. Nichts soll die Harmonie ihrer selbstgefertigten Darstellungen trüben. Darauf legt die Harderin großen Wert. Schließlich steckt jede Menge Arbeit in den kleinen und großen Dingen, die sie mit viel Liebe zum Detail bastelt. In den vergangenen Monaten war Brigitte Wörz vor allem damit beschäftigt, Weihnachtsdekorationen für das Vorklöschtner Adventmärktle herzustellen. Seit 14 Jahren gibt es diesen Markt, und seit zehn Jahren ist auch die leidenschaftliche Handwerkerin schon dabei. „Es freut mich, wenn den Leuten gefällt, was ich mache“, begründet sie ihr liebgewonnenes Standlerleben. Dabei zweifelte sie anfangs, dass sich jemand für das interessiert, was ihren kreativen Gedanken entspringt.

Naturmaterialien

Es kam anders. Auch morgen wird Brigitte Wörz wieder ihre Sachen auspacken und feilbieten. Um gerüstet zu sein, startete die gelernte Schneiderin bereits im Sommer mit den Vorarbeiten. „Ich habe das schlechte Wetter genutzt“, erzählt sie schmunzelnd. Zum Einsatz kommen ausschließlich Naturmaterialien. Schwemmholz, Filz, Steine, ja selbst für alte Notenblätter hat Brigitte Wörz Verwendung. Aus diesen weiß sie kunstvoll gefaltete Engel zu gestalten. Auch mit kaltgepresstem Schwarzblech hantiert die leidenschaftliche Jasserin. Damit es schön rostig wird, kommt es einfach ein paar Tage ins Freie. Nur das Schwemmholz war heuer rar. „Es gab praktisch keines“, fasst Wörz das Übel zusammen. Die Holzteppiche, die sie im Sommer im Bereich des Grünen Damms sichtete, wurden zu ihrem Leidwesen in andere Richtungen abgetrieben. Das Holz aus dem Vorrat reichte dennoch für ein paar schöne weihnachtliche Stücke.

Geschultes Auge

Mit langjährig geschultem Auge erkennt Brigitte Wörz, welche Holzstücke sich für Figuren und andere Darstellungen eignen. „Aber man muss sich oft bücken, um etwas Passendes zu finden.“ Und heikel werde man mit der Zeit ebenfalls. Was ihrem prüfenden Blick nicht standhält, wandert in den Ofen. Anpacken muss übrigens auch Ehemann Herbert. Seine Frau zeichnet vor, er sägt aus. „Mit diesen Arbeiten füllt er die Langeweile im Herbst und Winter“, bemerkt Brigitte Wörz augenzwinkernd. Aber sie ist froh um seine starke wie handwerklich begabte Hand. Die bringt er auch ein, wenn die stellvertretende Obfrau der Guta Hard das dortige Frauenmärktle organisiert. Langeweile ist Brigitte Wörz jedenfalls ein Fremdwort.

Beim Vorklöschtner Adventmärktle, das morgen Sonntag von 9 bis 17 Uhr auf dem Vorplatz der Kirche Mariahilf stattfindet, wird Brigitte Wörz einen von insgesamt 60 Verkaufsständen betreuen. Die Nachfrage nach einem Platz bei diesem vom Lebensraum Bregenz veranstalteten Markt ist enorm. Es gibt sogar eine Warteliste. Großer Wert wird auf Selbstgemachtes gelegt, ebenso auf ein vielfältiges kulinarisches Angebot.

Brigitte Wörz ist dafür gerüstet. Das große Arbeitszimmer, in dem sie stundenlang werkelte, wird langsam leer. Aber nur, um Dinge aufzunehmen, die sich für lebenserweckende Frühlingsdekorationen eignen. So sorgt die patente Frau rund ums Jahr für die eigene Beschäftigung. 

Man muss sich oft bücken, um etwas Passendes zu finden.

Brigitte Wörz

Zur Person

Brigitte Wörz

Geboren: 20. März 1951 in
Schwarzach

Familie: verheiratet, 2 Kinder,
3 Enkelkinder

Wohnort: Hard

Beruf: Pensionistin

Hobbys: Basteln, Stricken, Nähen, Jassen