Die besondere Forstkultur

Wetter / 30.11.2014 • 17:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Leidenschaft für die Weißtanne: Balbina Jochum geht mit dem Ländle-Christbaum-Siegel einen eigenen Weg. Foto: Marianne Mathis

Leidenschaft für die Weißtanne: Balbina Jochum geht mit dem Ländle-Christbaum-Siegel einen eigenen Weg. Foto: Marianne Mathis

Stille Botschafterin: Balbina Jochum ist auf Christbaum-Kultivierung mit Schafhaltung umgestiegen.

Hörbranz. (VN-MaM) Sie ist zurückhaltend, bescheiden, und man muss den Weg in ihre Entschlossenheit zunächst finden: Die gebürtige Bregenzerwälderin weiß genau, was sie gemeinsam mit ihrem Gatten, dem Waldaufseher Manfred Jochum, will. Der zu kleine milchwirtschaftliche Betrieb direkt an der Durchzugsstraße L 1 und im Nahraum unweit der Autobahn brachte schon 1999 nicht ausreichend Ertrag. Also entschlossen sich die Jochums für andere Einkommensnischen. Ziel und Strategie waren klar: Nutzung von rund 1,5 Hektar Fläche für die Ländle-Christbaumkultivierung samt Einsatz von Shropshire-Schafen zur Beweidung. Die aus der gleichnamigen westenglischen Grafschaft stammende Fleischrasse wird dort seit dem 19. Jahrhundert gezüchtet. Diese Tiere zeigen ein selektives Fressverhalten. Sie bevorzugen Gräser und Kräuter. Dadurch bleiben die Triebspitzen der Christbäume unangetastet. Die sehr ruhigen Schafe ziehen während der Vegetationsperiode den ganzen Tag als lebende Rasenmäher durch die Kultur. Sie halten die Gräser kurz, es bildet sich eine sehr dichte Grasnarbe. Balbina hält 15 ­Shropis, die Lämmer verkauft sie. „Ich will mit möglichst wenig Pflanzenschutzmitteln auskommen.“

Stiefkind Weißtanne

Das Sortiment an Christbäumen, die von Kunden direkt in der Kultur seit Wochen selbst reserviert werden können, reicht von der Nordmanntanne über Fichte bis zur Weißtanne. Die Samen der Nordmanntanne aus dem Kaukasus und aus Dänemark werden in zwei österreichischen Betrieben zu Setzlingen herangezogen, und dort direkt eingekauft. Fichten- und Weißtannen stammen aus dem Landesforstgarten, ebenfalls als Setzlinge. In Balbinas Kultur werden Einzelbäume entnommen, um einen naturnahen Bestand zu sichern. Die reservierte Nadelpracht im weihnachtlichen Wohnzimmer wird kurz vor Weihnachten geschnitten und kann beim Hof abgeholt werden. Zusätzlich gestalten Jochums im Betrieb ab demnächst einen kleinen Markt, wo es in authentischer Atmosphäre auch Wildapfel- und Mistelreisig gibt.

Balbina ist während des ganzen Jahres mit der Pflege der Bäume beschäftigt. Sie tut das gerne, mit Leib und Seele. Immer mehr Konsumenten achten beim Christbaumkauf auf Regionalität und den ökologischen Fußabdruck, sagt Thomas Ölz, Leiter der Forstabteilung in der Landwirtschaftskammer. 25 Prozent der rund 80.000 Bäume, die jährlich in Vorarlberg zu Weihnachten verkauft werden, stammen aus heimischer Produktion. Seit 2009 gibt es den Ländle-Christbaum mit Gütesiegel. Die Mitglieder werden von der Kammer und der Ländle-Qualitätsprodukte Marketing GmbH kontrolliert und garantieren mit dem Siegel die regionale Herkunft des Baumes. Balbina war von Anfang an mit dabei. Die Weißtanne galt ursprünglich als traditioneller Weihnachtsbaum. Der heurige Christbaum am Bregenzer Leutbühel ist ein prächtiges Exemplar aus dem Kerngebiet Sulzberg. Die Nachfrage sinkt aber, bedauert Balbina, weil die Weißtanne wichtiger Stabilisator für gestufte und stabile Mischwälder ist.

Umstieg hat sich gelohnt

Der Umstieg auf die Ländle-Christbaumkultur samt Schafen hat sich gelohnt, obwohl die Arbeit mehr statt weniger wurde. Aber das Einkommen ist gestiegen, und die Leidenschaft fesselt. Mundpropaganda und Stammkundschaft sind wichtiger als große Christbaummärkte.

Ich will mit wenig Pflanzenschutzmitteln auskommen.

Balbina Jochum

Zur Person

Balbina Jochum

Geboren: 12. August 1960

Familie: verheiratet, zwei Kinder, drei Enkel

Beruf: Landwirtin mit Christbaum-Kultivierung

Hobbys: Gärtnern, Wandern

Kontakt: 0664/1133004