Nepal als zweite Heimat

Wetter / 04.05.2015 • 19:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vor etwa 30 Jahren kam Elmar Hagen zum ersten Mal nach Nepal. Mittlerweile war er fast 70 Mal dort.  Foto: Privat/Hagen  
Vor etwa 30 Jahren kam Elmar Hagen zum ersten Mal nach Nepal. Mittlerweile war er fast 70 Mal dort.  Foto: Privat/Hagen  

Elmar Hagen engagiert sich seit vielen Jahren in Nepal und hat dort ein Krankenhaus mitbegründet.

Schwarzach. (VN-ram) „Die Nepalesen sind so herzlich. Sie teilen sogar das Wenige, das sie haben, mit anderen“, schwärmt Elmar Hagen. Der Himalaya-Staat und seine Bevölkerung liegen dem Lustenauer am Herzen. Vor dreißig Jahren hat alles angefangen, als der passionierte Bergsteiger zum ersten Mal das Land bereiste. Dabei ist es nicht geblieben. 70 Mal war Hagen mittlerweile in Nepal, war dort vor seiner Pensionierung auch beruflich tätig. „Ich empfinde eine große Verbundenheit zu dem Land und zu den Leuten“, sagt Hagen, der Nepal als „zweite Heimat“ bezeichnet.

Bereits vor der verheerenden Erdbebenkatastrophe am 25. April mit über 7200 Todesopfern hat sich der pensionierte Marketingwerbekaufmann vielfach für das Land engagiert, sei es bei der Planung und beim Aufbau eines Spitals oder für diverse Trinkwasserprojekte. Die aktuelle Situation ist besonders schmerzhaft für ihn. „Hunderttausende Menschen haben ihr Hab und Gut verloren, übernachten bei Regen unter freiem Himmel, hungern und hoffen auf Hilfe“, erzählt Hagen.

Spital gegründet

Gemeinsam mit den Ärzten Diether Fink und Ram Shresta hat Hagen vor über 25 Jahren das Dhulikhel-Spital geplant und mitbegründet. Damals war der junge nepalesische Arzt Shresta, der in Wien studiert hatte, zu einer Chirurgenausbildung ins Landeskrankenhaus Feldkirch gekommen. „Bei einem Vortrag hat er mich sehr beeindruckt“, erzählt der Lustenauer. Mit neun Jahren habe Shresta seine Mutter verloren und plante deswegen eine Karriere als Arzt.

„Er hat uns die schlechte medizinische Situation vor Ort geschildert und wollte dort unbedingt ein modernes Spital für Arme gründen.“ Um den Traum Shrestas finanziell mitzuverwirklichen, wurde der NepaliMed-Verein ins Leben gerufen, für den Hagen zehn Jahre lang als Koordinator tätig war.

In dieser Funktion bekam er weitere Missstände mit. „In der Umgebung des Spitals war die Trinkwasserknappheit sehr stark zu spüren.“ Das hat ihn dazu bewogen, in privater Initiative ein Wassersuchprojekt umzusetzen. Mit der Hilfe des Rotarierclubs wurden in weiterer Folge Trinkwasserbrunnen errichtet. „Trinkwasser ist das Wichtigste überhaupt“, weiß Hagen. Nicht nur Krankheiten werde vorgebeugt, sondern auch dem Analphabetentum besonders unter Mädchen. „Sie mussten früher stundenlang zu den Brunnen wandern, um Wasser zu holen, anstatt zur Schule zu gehen.“

„Kein Riss im Mauerwerk“

Ein besonderer Umstand hat dazu geführt, dass das Dhulikhel-Spital bei dem Erdbeben vor zehn Tagen von Verwüstungen verschont bliebt. „Beim Bau haben wir viel Geld investiert, um es erdbebensicher zu machen“, erzählt Hagen. „Nun ist kein einziger Riss im Mauerwerk zu sehen.“ Nicht so in der Umgebung: 95 Prozent aller Häuser seien zerstört, viele Menschen verletzt. Problematisch sei besonders die Tatsache, „dass viele gespendete Hilfsgüter einfach nicht ankommen“, sagt Hagen. Am Flughafen von Kathmandu würden sich Hilfsgüter stauen, weil die Beamten mit der Verzollung nicht nachkämen. Die Korruption blühe. „Eine funktionierende Infrastruktur vor Ort ist wichtig, damit den Menschen direkt geholfen werden kann“, ist der Lustenauer überzeugt. „So konnte auch das Spital problemlos wachsen.“

Ich empfinde eine große Verbundenheit zu Land und Leuten.

Elmar Hagen

Zur Person

Elmar Hagen

Mitbegründer des Dhulikhel-Spitals, NepaliMed-Koordinator

Geboren: 30. April 1945

Beruf: Pensionist, früher Marketing Werbekaufmann

Familienstand: verheiratet, ein Sohn

Interessen: Bergsteigen, Lesen, Natur

Rotaryclub: „Spendenkonto
Nepal-Hilfe“: IBAN: AT50 3700 0002 0002 3879, BIC: RVVGAT2B