Legende im Priesterrock

Wetter / 08.05.2015 • 18:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Bild trügt nicht. Roland Trentinaglia sitzt vor allem während der Predigt gerne auf Kirchenbänken. Foto: VN/Paulitsch
Das Bild trügt nicht. Roland Trentinaglia sitzt vor allem während der Predigt gerne auf Kirchenbänken. Foto: VN/Paulitsch

Pfarrer Roland Trentinaglia ist seit vierzig Jahren in Amt und Würden.

hörbranz. (VN-mm) „Oh, Mann“, entfährt es Roland Trentinaglia gar nicht gottergeben, als wir um ein Gespräch aus Anlass seines 40-jährigen Priesterjubiläums anfragen. Aber so ist er nun einmal, der „Trenti“, geradeheraus und schnörkellos. Doch nicht nur der unkonventionellen Art wegen wird er geschätzt. Roland Trentinaglia vermag es ebenso, die Botschaft Jesu mit Überzeugung zu vermitteln. Den Menschen erzählen zu dürfen, dass es Gott gibt und er es gut mit ihnen meint, egal was passiert, daraus schöpft auch „Trenti“ viel Kraft.

Zur Besinnung gekommen

Eigentlich wäre es gar nicht nötig, „Trenti“ unter Anführungszeichen zu setzen. Die saloppe Abkürzung ist Legende und haftet Roland Trentinaglia seit Jugendtagen an. Inzwischen stellt er sich selbst mit „Trenti“ vor. „Sonst finden mich die Leute nicht, wenn nach mir gefragt wird“, merkt er augenzwinkernd an. Am 10. Mai 1975 wurde Trenti von Bischof Bruno Wechner in Bludenz zum Priester geweiht. Zwar hätte das Ereignis gemeinsam mit Wilfried Blum und Werner Wittwer am 16. Mai in Dornbirn stattfinden sollen. Doch sein damaliger Chef in Bludenz war Pfarrer Eberhard Amann, und der wollte, dass Roland Trentinaglia ebendort die Priesterweihe empfängt. Dass der Berufsjubilar nicht dem väterlichen Wunsch nach Übernahme der Gemischtwarenhandlung folgte, hatte zwei Gründe. „Ursprünglich wollte ich Lehrer werden“, erzählt Trentinaglia. Dann schaffte es ein junger Religionspädagoge im Gymnasium, ihn und vier weitere Burschen für eine Besinnungswoche zu motivieren. Wie er das geschafft hat? Trenti weiß es bis heute nicht. Er jedenfalls kam zurück und verkündete den verdutzten Eltern, dass er Theologie studieren werde.

Die Entscheidung hat er bis zum heutigen Tag nicht bereut. Trenti ist ein Mann Gottes mit Leib und Seele. Deshalb schmerzt ihn der Priestermangel, der schon zur Zusammenlegung von Pfarreien geführt hat. Doch eine Mitbetreuung sei nicht das Gleiche. Eine Pfarre aufzugeben bedeute Verlust an Glauben. „Wo nichts ist, tut sich nichts mehr.“  Deshalb ist für Trenti das Frauenpriestertum denkbar und eine Änderung im Zölibat. Beides schiebt er aber gleich wieder in die Lade „Zukunftsvisionen“.

Seit 1975 ist Trenti auch als VN-Kolumnist tätig. Regelmäßig formuliert er seine Gedanken zum Sonntag und freut sich über jede Reaktion: „Ich kann etwas in Bewegung bringen.“ Sein Priesterjubiläum feiert er ohne Trara. „Des kummt halt“, sagt er. Eben wie das Amen im Gebet.

Wo nichts ist, tut sich irgendwann auch nichts mehr.

Roland Trentinaglia

Zur Person

Roland Trentinaglia

Geboren: 30. April 1948 in Bludenz

Wohnort: Hörbranz

Laufbahn: Kaplan in Hohenems und Bregenz, seit 1985 Pfarrer in Hörbranz und Pfarrprovisor in Hohenweiler

Hobbys: Filme, Fernsehen (Tatort), Surfen im Internet, Lesen