Bis zum letzten Atemzug

Wetter / 28.05.2015 • 18:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Marika Harich liebt ihren Garten. Dort kann sie für ihre Arbeit als Hospizbegleiterin neue Kraft tanken. Foto: VN/Hartinger
Marika Harich liebt ihren Garten. Dort kann sie für ihre Arbeit als Hospizbegleiterin neue Kraft tanken. Foto: VN/Hartinger

Marika Harich engagiert sich schon seit Langem ehrenamtlich in der Hospizbewegung.

Nüziders. (VN-mm) Eigentlich sollten ihnen für die unbezahlbare Arbeit, die sie tagtäglich für Schwerkranke und Sterbende sowie deren Angehörige leisten, Rosen gestreut werden. Stattdessen wird der Spieß morgen, Samstag, einmal umgedreht. Im Dienste von Hospiz Vorarlberg werden 4000 Rosen an Passanten verteilt. Doch in diesem Fall heiligt der Zweck die Mittel. Die blumige Aufmerksamkeit gibt es gegen eine kleine Spende, denn die Hospizbewegung kann finanzielle Unterstützung brauchen, ist ihr Angebot doch kostenfrei. Auch Marika Harich aus Nüziders engagiert sich ohne monetäre Gegenleistung für das Hospizwesen. Nach ihrer Pensionierung suchte sie etwas, das ihr Leben sinnvoll bereichern sollte. Sie fand es in der Hospizbewegung. Seit 2010 ist Marika Harich dabei und kann sagen: „Es ist das Richtige für mich.“

Ihr Mann zeigte sich skeptisch, als sie ihm von ihren Plänen berichtete. „Er fürchtete, ich könnte schwermütig werden“, erzählt Marika Harich und lässt, wie zum Beweis des Gegenteils, dem Satz ein sympathisches Lachen folgen. Die Tochter unterstützte das Ansinnen der Mutter von Anfang an. Inzwischen ist aber auch der Gatte überzeugt davon, dass die Arbeit seiner Frau gut tut. Die weiß: „Es kann nur funktionieren, wenn die Familie dahintersteht.“

Mehr Gelassenheit

Auf die Frage, wie sich die Tätigkeit einer Hospizbegleiterin darstellt, meint Marika Harich: „Wir tun im Grunde nicht viel. Wir halten mit den Menschen aus, was kommt.“ Etwas, das viele andere nicht können, und das in der letzten Lebensphase doch so wichtig ist. Früher war das Thema Sterben im Leben von Marika Harich auch nicht präsent. Dann begleitete sie ihre Mutter in den Tod – ein nachhaltiges Erlebnis. Die Trauerphase fiel anders aus, weniger schwer. „Ich konnte ja bis zum letzten Atemzug bei ihr sein.“ Wie bereichernd und hilfreich das ist, versucht sie, die im Garten und beim Kochen den nötigen Ausgleich findet, auch anderen zu vermitteln. Sie hat sich einen Satz von John Ruskin zu eigen gemacht, der da lautet: „Der höchste Lohn für unsere Bemühungen ist nicht das, was wir dafür bekommen, sondern das, was wir dadurch werden.“ Marika Harich schenkt ihn gerne weiter. Und was ist sie geworden? „Eindeutig gelassener“, kommt es ganz spontan.

Im vergangenen Jahr leisteten die Hospizteams 1088 Einsätze und wendeten dafür über 24.000 Stunden auf. Die mehr als 200 ehrenamtlichen Mitarbeiter brachten 30.000 Stunden ihrer Freizeit für andere ein. 

Die Trauerphase fiel ganz anders aus, weniger schwer.

Marika Harich

Zur Person

Marika Harich

Geboren: 24. März 1954 in Bludenz

Wohnort: Nüziders

Familienstand: verheiratet, eine Tochter

Beruf: Pensionistin, Hospizbegleiterin

Hobbys: Garten, Kinderprojekte im Obst- und Gartenbauverein, Kochen