Hilfe selbst gemacht

30.09.2015 • 16:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Annelies Meusburger hat in Kamerun ihr eigenes Hilfsprojekt auf die Beine gestellt. Foto: VN/Fink
Annelies Meusburger hat in Kamerun ihr eigenes Hilfsprojekt auf die Beine gestellt. Foto: VN/Fink

Das Engagement von Annelies Meusburger ist grenzenlos. In Kamerun finanziert sie Schulbesuche. 

Egg. (VN-ger) Es war der eine Satz, der vor einigen Jahren in einer Fernsehsendung über Entwicklungshilfe fiel und Annelies Meusburger anschließend nicht mehr aus dem Kopf ging: „Durch Brunnen in den Dörfern bleibt den Frauen mehr Zeit, ihre Kinder zu lieben.“

„Dieser Spruch ist bei mir so eingefahren, der war so umwerfend“, erzählt die adrette Großdorferin. Den Stein endgültig ins Rollen brachte kurz darauf Rudolf Heimböck, der ihr im Bregenzerwald zufällig über den Weg lief. Der Tischler aus Au ist seit vielen Jahren in Kamerun im Hilfseinsatz, hat unter anderem beim Aufbau des ersten Spitals von Russ-Preis-Trägerin Elisabeth Neyer geholfen, die Bauhandwerkerzunft Ngaoubela-Tela ins Leben gerufen und Maschinen und Werkzeuge für berufsbildende Schulen beschafft.

Brunnen und WC

Annelies Meusburger finanzierte daraufhin in einem Dörfchen nahe des Spitals und eine Drei-Tages-Reise von der Hauptstadt Yaoundé entfernt ein WC und einen Brunnen.

Bei einem Besuch in Kamerun konnte sie sich vor zwei Jahren schließlich selbst ein Bild von „ihren“ Bauten machen, hat gehört, gefühlt und beobachtet. „Afrika ist ein besonderes Erlebnis“, resümiert sie.

Ein „bisschen peinlich, die Dankbarkeit der Dorfbewohner entgegenzunehmen“ war es der 69-Jährigen schon, gesteht sie. Eines steht für sie aber außer Zweifel: „Es ist der schönste Brunnen, es war ein so sagenhafter Anblick, total faszinierend“, gerät die ehemalige Volksschullehrerin ins Schwärmen und erzählt von der jungen Frau mit der riesigen Waschschüssel auf dem Kopf, die jetzt nicht mehr täglich sieben Kilometer bis zur nächsten Wasserstelle laufen muss.

22 Mal Schulgeld

Und dann war da noch Aliou, der Obmann des Elternvereins. Von ihm ließ sich die Eggerin eine Liste mit allen Kindern erstellen, deren Eltern sich einen Schulbesuch nicht leisten können.

Seither übernimmt Annelies Meusburger die Schulkosten für insgesamt 22 Schüler in dem kleinen kamerunischen Dorf. Aliou ist ihre Vertrauensperson, die das Geld übernimmt und für die Kinder verwendet – für Schuluniform, Hefte, Bleistifte. „Bildung ist die wichtigste Entwicklungshilfe“, ist die Eggerin überzeugt. 

Mission Thorsten

Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte konnte die 69-Jährige nicht zuletzt in Vorarlberg schreiben, seit sie vor sechs Jahren in einer Betreuungseinrichtung Bekanntschaft mit Thorsten machte. Als an seinem 21. Geburtstag der Geldfluss von der Stadt eingestellt wurde, nahm sie den jungen Mann aus Nordrhein-Westfalen kurzerhand mit zu sich nach Hause und übernahm die Sachwalterschaft. „Die Anfänge waren extrem schwierig. Er hatte keinen Pass, bekam keine Sozialhilfe“, erinnert sich die Witwe. „Doch mittlerweile ist es ein aufgeschlossener, gesprächiger junger Mann, der den Führerschein geschafft und einen Job als Lagerist hat.“ Noch heute wohnt Thorsten bei Annelies Meusburger im „Schlössle Ittensberg“, dem ehemaligen Tanzhaus von Egg, das in der Parzelle Ittensberg neu aufgebaut wurde und außerdem der Privatzimmervermietung dient.

An die große Glocke hängen will die umtriebige Pensionistin ihr Engagement zwar nicht, aber sie möchte hellhörig machen und die Menschen ein bisschen anstecken. „Es ist so viel möglich, auch im eigenen Land“, spricht sie aus Erfahrung.

Dieser Spruch ist bei mir so eingefahren, der war so umwerfend.

Annelies Meusburger

Zur Person

Annelies Meusburger

Geboren: 7. Jänner 1946

Wohnort: Egg-Ittensberg

Familie: seit elf Jahren Witwe, eine Tochter (44)

Beruf: Volksschullehrerin

Hobbys: Hund Sheila, Lesen,
Schreiben, Rätseln