Kunst, die glücklich macht

01.10.2015 • 17:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Maria Simma-Keller leitet den neuen „Bildraum Bodensee“ im alten Postgebäude in Bregenz. Foto: VN/Hartinger
Maria Simma-Keller leitet den neuen „Bildraum Bodensee“ im alten Postgebäude in Bregenz. Foto: VN/Hartinger

Maria Simma-Keller war in New York und Berlin tätig und sieht sich auch in Bregenz in einem Kunstzentrum.

Bregenz. (VN-cd) „Es ist beeindruckend, was es mit den Kulturhäusern gibt, und dann sind da auch noch die Festspiele“, zeigt sich die Bregenzerin begeistert von dem, was in ihrer Heimatstadt in den letzten Jahrzehnten entstanden ist. Und wenn jemand Vergleichsmöglichkeiten hat, dann ist es Maria Simma-Keller. Nach dem Studium in Wien hat sie nämlich einige Jahre im Österreichischen Kulturforum in New York gearbeitet und anschließend in Berlin. Als Leiterin des neuen „Bildraum Bodensee“ im alten Postgebäude in Bregenz bringt sie somit enorme Erfahrungen bringt.

Unter anderem diese, dass es bei den New Yorkern kein „schauen wir einmal“ gibt, das unter Österreichern so verbreitet ist, sondern nur ein Ja oder ein Nein. Man lerne außerdem, dass man sich ständig zu präsentieren hat. Als sie vor acht Jahren in die US-Metropole kam, galt es, das Kulturforum, dieses Gebäude, das in beindruckender Architektur von Raimund Abraham besticht und damals von Christoph Thun-Hohenstein geleitet wurde, zu positionieren und auch in die großen Printmedien zu bringen. Das ist gelungen. Rückblickend erinnert sie sich aber an einen enormen Kampf, den Künstler zu bestehen haben, bis sie sich durchsetzen. Viele seien weitergezogen – unter anderem auch nach Berlin.

Das traf sich gut, denn nach drei Jahren in New York, vielen stets gut besuchten Ausstellungen, mit denen man sich auch dem Experimentellen stellte, und den Erfahrungen, die der Alltag mit sich bringt, wenn man in einer Stadt lebt, in der die Finanzkrise des Jahres 2008 im Alltag direkt spürbar wurde, wechselte auch die Bregenzerin ans Österreichische Kulturforum in Berlin. Untergebracht in der Botschaft und damit in einem eher ruhigen Viertel, in dem abends die Gehsteige hochgeklappt werden, hieß es Projekte zu realisieren, die entsprechende Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Maria Simma-Keller setzte auf Kooperationen. Unter anderem mit dem Konzerthaus. 

Kunst und Musik

„Für Mozart bekommt man keine Fördergelder, der ist ein Selbstläufer“, erklärt sie den Stand der Dinge. Was sie mit ihrem Team realisiert hatte, berührte nicht nur die bildende Kunst, sondern auch die zeitgemäße Musik, die Performance oder die Literatur. Sie hat den bekannten Vorarlberger Komponisten Alexander Moosbrugger nach Berlin geholt und beispielsweise mit Marlene Hausegger ein Projekt verwirklicht, mit dem sie das gediegene Botschaftsgebäude sowieso verließ. Die Künstlerin hatte eine ganze Hauswand in Berlin-Mitte mit ihren Arbeiten überzogen. Es kann also durchaus sein, dass ihr „Bildraum Bodensee“-Programm nicht nur in den Räumlichkeiten im zweiten Stock des Postgebäudes zu erleben ist, wo sich das österreichische Unternehmen Bildrecht, die staatlich genehmigte Urheberrechtsgesellschaft, eingemietet hat und, wie die Kuratorin und Kunstvermittlerin erfreut bestätigt, auf viel Publikumsresonanz stößt. Arbeiten von Anna-Maria Bogner wird es demnächst zu sehen geben. In der „Langen Nacht der Museen“ am 3. Oktober zeigt sie dort Animationen von Künstlerinnen, darunter den Oscar-nominierten Film „Hollow Land“.

Die Zusammenarbeit mit bestehenden Institutionen in Vorarlberg hat Maria Simma-Keller übrigens bereits ins Auge gefasst. Dass der „Bildraum“ quasi ein kleiner Nachbar des großen Kunsthauses ist, sieht sie als Herausforderung. Und nebenbei sei erwähnt, dass sie der Weg zur Arbeitsstätte über den Karl-Tizian-Platz führt, über den Ort also, der an einen Politiker und den Bregenzer Bürgermeister in den Jahren 1950-1970 erinnert – ihren Großvater.

Provinz gibt es nur im Kopf. Ich erfahre Bregenz als sehr offene Stadt.

Maria Simma-Keller

Zur Person

Maria Simma-Keller

Geboren: 1982 in Bregenz

Ausbildung: Studium Germanistik und Anglistik in Wien

Laufbahn: Jüdisches Theater Austria, Österreichisches Kulturforum in New York, Österreichisches Kulturforum in Berlin, seit Juni Leiterin im Bildraum Bodensee in Bregenz

Familie: verheiratet, ein Sohn

Während der „Langen Nacht der Museen“ am 3. Oktober zeigt der „Bildraum“ in Bregenz (Seestraße 5) Animationen österreichischer Künstlerinnen.