Bernie und die Zotteltiere

20.10.2015 • 16:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schottische Hochlandrinder sind Bernie Wittwers Hobby. Die Tiere bedeuten dem Pensionisten aus St. Gallenkirch viel.  Foto: Oliver Lerch
Schottische Hochlandrinder sind Bernie Wittwers Hobby. Die Tiere bedeuten dem Pensionisten aus St. Gallenkirch viel.  Foto: Oliver Lerch

Bernie Wittwer hält seit mehr als 20 Jahren schottische Hochlandrinder.  

St. Gallenkirch. (VN-kum) Zu diesem Hobby kam er wegen eines Unfalls. Bernie Wittwer war Bodenleger. Bei einem Arbeitsunfall im Jahre 1993 verletzte er sich so schwer, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Wittwer suchte nach neuen Aufgaben und fand sie unter anderem in der Landwirtschaft.

Robuste Tiere

Für ihn war es ein Zurück zu seinen Wurzeln. Wittwers Eltern waren Bauern. Sie hielten 15 Stück Vieh. „Meine Geschwister und ich konnten im Sommer nicht schwimmen gehen. Wir mussten heuen“, erinnert sich der gebürtige Gaschurner. In seiner Kindheit wurde der Grundstein für seine Liebe zur Landwirtschaft gelegt. Nach dem Unfall wurde sie neu entfacht. „Ich besaß Grund und dachte mir, dass man die Wiesen bewirtschaften könnte.“

Nach einem Besuch bei einem Bekannten in Götzis, der als einer der Ersten in Vorarlberg schottische Hochlandrinder hielt und züchtete, war für Wittwer klar: „Ich schaffe mir auch solche Tiere an.“ Denn die Rasse überzeugte ihn. „Diese Tiere sind robust, von der Haltung her einfach und geben wenig Arbeit. Sie brauchen nur genügend Auslauf und einen offenen Stall. Beim Futter sind sie nicht heikel. Sie benötigen nur Wasser, Heu und Mineralstoffe. Außerdem fressen sie alles zusammen. So hat man aufgeräumt“, erklärt er die Gründe, warum er sich für das schottische Hochlandrind entschied.

Wittwer begann die Zucht mit vier Tieren. Heute hat er noch sieben Stück. „Aber ich hatte auch schon 16.“ Wenn der Landwirt die zotteligen Vierbeiner, deren Augen von einem langen buschigen Haarschopf überdeckt sind, ruft, dann kommen sie angerannt. Der 73-Jährige ist stolz darauf, dass er „diese wilden Tiere, die noch nie angebunden waren“, bis zu einem gewissen Grad zähmen konnte. „Das liegt daran, dass ich mich mit ihnen abgebe.“ Der Züchter hängt an jedem Tier. Einmal hatte er eine Kuh 23 Jahre lang. „Sie hat mir 17 Kälbchen gebracht.“ Es setzte ihm zu, als sie starb. „Sie wurde von einem Stein erschlagen.“ Auch die Herde registrierte, dass sie nicht mehr da war. „Wenn man ein Tier aus der Gruppe nimmt, dann trauern sie um dieses“, weiß Wittwer aus Erfahrung. Immer wieder erstaunt es ihn, wie sozial diese Tiere sind. „Der Zusammenhalt in der Herde ist enorm groß.“ Darum hatte er auch keine Angst um sein Vieh, als „Problembär“ Bruno im Jahr 2006 durch das Montafon streifte und ganz in der Nähe seiner Weide Schafe riss. „Meine Tiere sind groß und bis zu 800 Kilo schwer. Der Bär hätte sich nicht an sie herangetraut“, ist er überzeugt. Und: Die Herde hätte zusammengeholfen und wäre auf den Bär losgegangen.

Wittwers Frau Sieglinde ist froh, dass ihr Mann die Zotteltiere hat. „Es ist wichtig, dass man auch im Alter noch eine Aufgabe hat“, meint sie. Wenn ihr Mann zu ihr sagt, dass er zu den Tieren geht, freut sie sich mit ihm.

Ich gebe mich mit ihnen ab. Deshalb sind sie relativ zahm.

Bernie Wittwer

Zur Person

Bernie Wittwer

legte sich 1993 schottische Hochlandrinder zu. Seither züchtet er sie. Derzeit hält er sieben Tiere.

Geboren: 22. Juni 1942

Ausbildung: Bodenleger

Familie: verheiratet, drei Kinder

Hobbys: Landwirtschaft, Holzen