Zurück in der Heimat

Wetter / 04.07.2016 • 18:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nach 17 Jahren kehrte der Harder Martin Staudinger in seine Heimat zurück. Er leitet das Bregenzer Büro des Sozialministeriums.  VN/Prock
Nach 17 Jahren kehrte der Harder Martin Staudinger in seine Heimat zurück. Er leitet das Bregenzer Büro des Sozialministeriums. VN/Prock

Nach 17 Jahren in Wien kehrte Martin Staudinger als Leiter im Sozialministerium nach Vorarlberg zurück.

Bregenz. (VN-mip) Wie Gesetze entstehen: In den Ausschüssen debattiert, im Ministerrat abgesegnet, im Nationalrat diskutiert und beschlossen. Was hinter den Kulissen geschieht, ist eher unbekannt: Die Experten des zuständigen Ministeriums beraten sich, verhandeln, feilen an den Formulierungen. So war es bei der Mindestsicherung, so war es beim Pflegefonds. Einer, der beides maßgeblich mitgestaltet hat, ist Martin Staudinger. Im Oktober vergangenen Jahres kehrte der Harder nach Vorarlberg zurück. Staudinger ist der neue Chef der Vorarlberger Zweigstelle des Sozialministeriums.

Dem Begriff „Amt“ wohnt ein verstaubtes Image inne. Deshalb heißt die Landesstelle jetzt „Sozialministeriums-Service“. Das graue Gebäude aus den 70er-Jahren wirkt jedoch mehr wie „Amt“ denn wie „Service“. Auch das Chefbüro im dritten Stock: ein einfacher Schreibtisch, ein Schrank, eine Kommode, ein kleiner Besprechungstisch, alles Eiche rustikal. Martin Staudinger ist die Antithese dazu. Moderner Anzug, schicke Krawatte, eloquent, freundlich, gut gelaunt. Das Sonnenlicht bestrahlt zwei Schwarz-Weiß-Bilder an der Wand gegenüber. Darauf zu sehen: Martin Staudinger auf dem Snowboard im Montafon und beim Kitesurfen auf dem Bodensee. Er ist 37 Jahre alt und zurück in der Heimat.

Martin Staudinger zog mit 19 Jahren nach Wien. Er studierte Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften. „Ich wollte immer schon mitgestalten. Deshalb bin ich in die Politik“, führt Staudinger aus. Allerdings nicht als Politiker. Der Harder wollte an Gesetzen mitarbeiten, und das geschieht in den Ministerien. Politisch war er lediglich in seinem Bezirk für die SPÖ aktiv. Er erzählt: „Ich habe viele Gesetze mitverhandelt. Da waren richtig gute dabei.“ Die öffentliche Wahrnehmung sei anders. Er kritisiert: Über den Inhalt von Gesetzen würde wenig berichtet, über den politischen Streit allerdings ausführlich. Der politischen Streitkultur stellt er ein schlechtes Zeugnis aus: „Alles wird schlechtgemacht. In der Automobilindustrie würde Mercedes niemals eine andere Marke kritisieren, sondern das eigene Produkt anpreisen. Mercedes weiß: Mit Kritik an anderen bringt der Konzern eine ganze Branche in Verruf. In der Politik passiert genau das.“

Die Rückkehr nach Vorarlberg sei zunächst kein Thema gewesen. „Je länger man in Wien ist, desto mehr lernt man Vorarlberg schätzen. Man wird sich seiner Wurzeln und der besonderen Vorarlberger Werthaltung bewusst“, schildert Staudinger. Dann sei der Job ausgeschrieben worden. „Und der Minister wollte sich auch beruflich verändern“, fügt er an und grinst. Die Chance hat er ergriffen. Die Vorarlberger Werthaltung ist es auch, die er bei seinen Mitarbeitern in Bregenz schätzt: „In Wien wird immer über alles geredet. In Vorarlberg macht man einfach.“

Noch ist Staudinger nicht ganz angekommen. Er fliegt regelmäßig nach Wien, um den Finanzausgleich mitzuverhandeln. Der Harder ist Teil des Ministeriumsteams im Bereich Pflege, ein Überbleibsel aus dem alten Job. Dieser holt ihn öfters ein: „Es ist sehr spannend, zu sehen, wie sich etwas auswirkt, was ich zuvor verhandelt habe.“

Auch sprachlich findet er sich langsam wieder ein. Den Vorarlberger Dialekt hat er zwar nie verlernt, bei Geschäftsterminen schwenkt er aber aufs Wienerische um. „Das ändert sich auch noch“, ist er sich sicher. Er lacht. Ein waschechter Vorarlberger eben.

In Wien wird immer geredet. In Vorarlberg macht man einfach.

Martin Staudinger
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Zur Person

Martin H. Staudinger

seit Oktober Leiter der Vorarlberg-Stelle des Sozialministeriums

Geboren: 22. Juni 1979

Ausbildung: Studium Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Wien

Wohnort: Hard

Hobbys: Snowboarden, Surfen, viel am See