Tür und Herz geöffnet

28.08.2016 • 16:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Alma Nußbaumer unterstützt den 17-jährigen T. aus Afghanistan. Nach sieben Monaten ist er Teil der Familie geworden. Foto: Privat
Alma Nußbaumer unterstützt den 17-jährigen T. aus Afghanistan. Nach sieben Monaten ist er Teil der Familie geworden. Foto: Privat

Alma Nußbaumer ist seit Jänner Caritas-Mentorin für einen jungen Flüchtling.

Bregenz. (VN-mip) Mentor, Substantiv. Bedeutung: Fürsprecher, Förderer, erfahrener Berater. So steht es im Duden. Alma Nußbaumer ist eine Mentorin und findet diesen Begriff unglücklich gewählt: „Das ist ein Fachbegriff. Viele verstehen etwas Falsches darunter.“ Bei ihrer Aufgabe geht es vor allem um eines: Emotion. „Wir öffnen die Türe und das Herz.“ Und zwar für einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling. Alma Nußbaumer ist Caritas-Mentorin von T. aus Afghanistan. Sie und ihre Familie haben T. in ihrer Mitte aufgenommen. Nußbaumer unterstützt ihn; sei es beim Deutschlernen oder bei der frühmorgendlichen Suche nach einem Geburtstagskuchen.

Freitag, 11 Uhr, Bregenz. Alma Nußbaumer war an diesem Tag bereits mit ihrem Schützling unterwegs. „Er wollte meinen Enkeln zum Geburtstag unbedingt einen Kuchen kaufen“, erzählt Nußbaumer. Es sind kleine wie große Aufgaben, bei denen Nußbaumer unterstützt. Vor allem aber ist es die Beziehung, die hilft.

Im Jänner trafen sich die beiden zum ersten Mal. T. sei vorbeigekommen und habe die Familie kennengelernt. „Er konnte kein Wort Deutsch, wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt“, schildert Nußbaumer. Mittlerweile sei das anders: „Wir palavern ununterbrochen.“ T. sei in die Familie reingewachsen. „Wenn meine Enkel zu Besuch kommen, schlagen sie zuerst mit ihm ein, bevor sie mich begrüßen. Er ist uns sehr ans Herz gewachsen.“

Dass sich mit dem Ruhestand das Leben ändert, ist logisch. Bei Alma Nußbaumer änderte sich sogar der Name. Als Psychotherapeutin war sie als Ingrid Bächle-Nußbaumer bekannt. Alma war ihr zweiter Name, mittlerweile wird sie auch von der Familie so genannt. Im Dezember hat sie zum zweiten Mal geheiratet. Das Ehrenamt zieht sich durch ihr Leben. Während des Jugoslawienkrieges war die Bregenzerin im Flüchtlingsheim Galina engagiert, als Traumatherapeutin half sie unter anderem bei Ärzte ohne Grenzen mit. Aktuell ist sie im Team von „a’ku“, einer Koordinationsplattform für ehrenamtliche Hilfe in Bregenz. Mit T. verbringt sie viel Zeit. Er kommt jeden Mittwoch zum Deutschkurs, an den Wochenenden sei er auch immer da. „Und natürlich sonst, wenn er etwas braucht. Man geht eine Verpflichtung ein. Es ist etwas Längerfristiges. Man kann ja kein Beziehungsangebot machen und nach einem Monat zurückziehen.“

Noch kein Bescheid

T. warte noch auf seinen Interview-Termin beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA). Alma Nußbaumer verdreht die Augen und sagt: „Ich werde sicher nicht mitgehen, weil ich Angst habe, dass ich es vermassele. Ich kann nicht mit Pokerface still daneben sitzen.“ Die negativen Erfahrungen, die andere mit dem BFA gemacht hätten, könne sie aus zahlreichen Erzählungen bestätigen.

Am 1. Jänner wird T. offiziell 18 Jahre alt. Dann muss er das UMF-Haus in Bregenz verlassen. Er wird in eine betreute Wohngemeinschaft umziehen. Alma Nußbaumer sieht gute Zukunftschancen: „Er war Schreiner und ist sehr geschickt. Er wird etwas finden.“ Anschluss an die Gesellschaft hat er dank der Caritas-Mentorin schon gefunden: „Man muss die Leute ermutigen: ,Tut das!‘ Es ist so bereichernd“, appelliert Nußbaumer. T. ist einer der wenigen Glücklichen im Haus Said, dem eine Mentorin hilft, in Vorarlberg Fuß zu fassen.

Man muss die Leute ermutigen: ,Tut das!‘ Es ist so bereichernd.

Alma Nußbaumer

Zur Person

Alma Nußbaumer

im Caritas Mentor-Programm aktiv.

Geboren: 5. August 1957

Wohnort: Bregenz

Laufbahn: Psychotherapeutin in Rente

Familie: seit Dezember verheiratet, drei erwachsene Kinder, drei Enkel

Die Caritas sucht neue Mentoren. Infos unter 0676/884207914 oder freiwilligenarbeit-flh@caritas.at