Die alte Dame ist ein Mann

Wetter / 27.02.2017 • 19:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auf ihre eigene, ironisch-humorvolle Art kommentiert
Auf ihre eigene, ironisch-humorvolle Art kommentiert “Oma Lilli” auf der Bühne das Tagesgeschehen.  Foto: mair

Mit dem Kabarettprogramm „Oma Lilli“ unterstützt Christian Mair „Fliegen für Kinder mit Handicap“.

SCHWARZACH. (VN-hrj) Wenn „Oma Lilli“ auf der Bühne erscheint und sich mit Humor, Ironie und Schlagfertigkeit über die täglichen Herausforderungen der „Generation 80 plus“ auslässt, lacht das Publikum Tränen. „Oma Lilli“ politisiert, kommentiert Tagesgeschehen, übt Kritik am Umgang mit Senioren, klagt über Beschwerden des Altseins. Kurzum: „Oma Lilli“ will auf der Bühne ihrer Generation eine Stimme geben.

Wer ist der Mensch, der hinter der Maske der „Oma Lilli“ steckt? Die alte Dame ist ein Mann: Christian Mair, 47, Bludenzer. Eigentlich ist er ein halber Osttiroler. Der Vater war ein Hiesiger – er lebt nicht mehr – die Mutter kommt aus einem Dorf nahe Lienz. Dort wuchs Mair mit sieben Geschwistern auf.

Mair ist gelernter Bäcker, „und ich war glücklich mit meinem Beruf“, betont er. Doch 1989 habe ihn die Mama bearbeitet, sich bei einer vom Postamt in Wolfurt ausgeschriebenen Stelle zu bewerben. „Bei der Post habe man einen sicheren Staatsjob, hat sie gesagt und mich förmlich dazu gedrängt.“ Mair bewarb sich, bekam die Stelle und zog nach Vorarlberg. Mittlerweile hat er Erfahrung in anderen Jobs gesammelt, heute ist er als leitender Angestellter in einem Konzern beschäftigt.

Theaterspielen habe ihn schon als Kind begeistert, erzählt Mair. Auf der Bühne steht er seit über zwei Jahrzehnten. Eine Zeitlang wirkte er in einer Laientheaterspielgruppe mit. Seit Jahren tourt er mit seinem Kasperltheater durchs Land und bezaubert mit seinen Figuren ganz junges Publikum in Einkaufszentren, bei Firmenfesten, in Kindergärten. Zudem mimt er in der Vorarlberger Version der Satire-Talkshow „Wir sind Kaiser“ den Kaiser.

Als „Oma Lilli“ geboren wurde, war sie 80 Jahre alt. Inspiriert, diese Figur zu erschaffen, wurde Mair in einem Altersheim. „Eine Freundin, die in einem Altersheim arbeitet, lud mich einmal ein, an einer Singrunde teilzunehmen. So lernte ich Senioren kennen, von denen mir einige ihre Lebensgeschichte erzählten.“ Dort habe er auch erfahren, wie einsam man als alter Mensch sein kann. „Das hat mich berührt und nachdenklich gestimmt. Und ich wollte etwas tun, damit diese Menschen mit ihren Eigenheiten und ihren Ansichten gehört werden.“ So griff der Kabarettist Themen auf und setzte sie für „Oma Lilli“ in Szene.

Tournee der Nächstenliebe

Nachdem „Oma Lilli“ in Vorarlberg so gut ankommt, tüftelt Mair nun an seinem nächstem Kabarettprogramm. Im neuen Stück, das nächstes Jahr auf die Bühne kommen soll, müht sich „Oma Lilli“ mit ihrer Tochter „Irma“ ab, die wieder zu Hause einzieht. Mehr verrät der Kabarettist nicht. „Nur noch eines“, sagt er, „ich werde nicht mehr allein auf der Bühne stehen, sondern mit Gerlinde Bickel. Sie spielt die Irma.“ Doch zuvor wird „Oma Lilli“ das Publikum nochmals mit dem jetzigen Programm zum Lachen bringen. Mit der am kommenden Freitag startenden Tournee unterstützt Mair „Fliegen für Kinder mit Handicap“, eine  Sozialaktion des Rundflugteams Flugplatz Hohenems.

Ganz privat steht er übrigens „auf gutes Essen im harmonischen Ambiente“. Er bezeichnet sich als „Romantiiker, der das Leben genießt“.

Dort erfuhr ich, wie einsam man als alter Mensch sein kann.

Christian Mair

Zur Person

Christian Mair

Geboren: 9. April 1969

Wohnort: Bludenz

Job: Leitender Angestellter

Familie: Vater eines erwachsenen Sohnes

Motto: “Wer keinen eigenen Weg geht, geht den Weg eines anderen.”

„Oma Lilly“: 3.3. Leiblachtalsaal Hörbranz, 9.3. Kulturbühne Schruns, 10.3. Gebhard-Wölfle-Saal Bizau,
11.3. Kulturbühne Ambach Götzis, 24.3. Hofsteigsaal Lauterach,
1.4. Kristbergsaal Dalaas, Karten: Musikladen und ländle-TICKET

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