Ein Mensch wie du und ich

20.03.2017 • 18:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gabriela Meusburger möchte ihren Erfahrungsschatz zum Thema Down-Syndrom an andere Betroffene weitergeben. Foto: VN/Paulitsch
Gabriela Meusburger möchte ihren Erfahrungsschatz zum Thema Down-Syndrom an andere Betroffene weitergeben. Foto: VN/Paulitsch

Gabriela Meusburger ist Obfrau der Arbeitsgruppe Down-Syndrom Vorarlberg. Das Motto ist „Mehr up als down“.

Hohenems. (VN-jun) Als Anina 1988 auf die Welt kam, änderte sich das Leben von Gabriela Meusburger auf einen Schlag. Ihre Tochter hat das Down-Syndrom, eine große Herausforderung für die gesamte Familie. „Die Diagnose Down-Syndrom ist heftig“, weiß die 58-Jährige aus eigener Erfahrung. „Mit der Zeit wächst man hinein. Deshalb kenne ich auch keine Familie, die ihr Kind gegen ein normales eintauschen würde.“ Allerdings entscheiden sich 90 Prozent der Elternpaare gegen ihr Kind, wenn die Trisomie 21 durch einen Bluttest bereits in der zweiten Schwangerschaftswoche festgestellt wird. „Dadurch wird diese Spezies ausgerottet. Dabei sind Menschen mit Down-Syndrom wie du und ich.“

Damit Anina ein normales Leben führen kann, hat sich Meusburger zum Ziel gesetzt, ihre Tochter so selbstständig wie möglich zu erziehen. Sie soll glücklich und gesund sein. „Anina ist jetzt 28 Jahre alt und wohnt noch zu Hause. Keine Ahnung, ob sich das irgendwann ändert“, sagt Meusburger. „Wo soll sie auch hin? Diese Menschen können nicht alleine leben, sie würden in Einsamkeit ertrinken.“ Auch wenn die Inklusion in den vergangenen Jahren vorangeschritten ist, „solange man von Inklusion redet, ist sie nicht gelebt“.

Meusburger ist gebürtige Tirolerin, studierte Betriebswirtschaft in Innsbruck. „Dann kam Anina, und es kam alles anders als geplant“, erinnert sie sich. 1991 zog sie mit ihrer Familie nach Vorarlberg. „Ich musste mich alleine um den Haushalt und die Kinder kümmern, konnte meine Karriere an den Nagel hängen. Aber ich habe es nie bereut“, erzählt die taffe Frau. Dafür engagiert sich Meusburger ehrenamtlich. Seit 25 Jahren bietet sie gemeinsam mit Therapeuten des aks Hippotherapie an. Zudem ist sie seit zehn Jahren in der Arbeitsgruppe Down-Syndrom Vorarlberg aktiv, seit sechs Jahren als Obfrau. „Ich möchte meinen Erfahrungsschatz zum Thema Down-Syndrom an andere weitergeben.“

Die Arbeitsgruppe ist Anlaufstelle für betroffene Familien. Dort erhalten sie Unterstützung in allen Belangen. Es werden Treffen unter Gleichgesinnten organisiert, Sportmöglichkeiten wie Therapiereiten, Tanzen und Klettern angeboten sowie Workshops und Vorträge veranstaltet. „Die Förderungen von Kindern mit Down-Syndrom sind viel besser geworden“, weiß Meusburger. Heutzutage werden sie in normale Schulen integriert. „Das ist so wichtig, weil sie am meisten von anderen Kindern lernen.“

Welt-Down-Syndrom-Tag

Heute, am 21. März, ist
Welt-Down-Syndrom-Tag. An diesem Tag soll die Stimme von Menschen mit Down-Syndrom noch mehr gehört werden. Deshalb sorgt die Arbeitsgruppe Down-Syndrom Vorarlberg heute für ein ganz besonderes Programm auf dem Bregenzer Kornmarktplatz. Unter dem Motto „Mehr up als down“ gibt es ab 14 Uhr einen Infostand, Verpflegung und Kinderschminken. Den Höhepunkt der Aktion bildet ein Flashmob um 15.21 Uhr, der von 100 Schülern der Mittelschule Wolfurt und Egg einstudiert wurde. Sie tanzen gemeinsam mit Menschen mit Down-Syndrom zum Lied „Das Geschenk“ der Sportfreunde Stiller. „Der Liedtext ist absolut passend: ‚Du trittst auf den Plan, den es nicht gibt‘“, sagt Meusburger, die viel von ihrer Tochter gelernt hat. „Wir planen alles in unserem Leben. Das Leben eines Menschen mit Down-Syndrom ist nicht planbar. Alles, was ich geplant habe, ist anders gekommen. Ich habe aufgehört zu planen, ich lebe – und meine Tochter auch.“

Solange man von Inklusion redet, ist sie nicht gelebt.

Gabriela Meusburger

Zur Person

Gabriela Meusburger

Geboren: 7. Juli 1958 in Innsbruck

Wohnort: Hohenems, seit 1991

Familie: zwei Kinder (Anina und Tobias mit Freundin Lara)

Hobbys: Berge, Wandern, Singen, Familie, Hund Lucky