Altes und neues Leben

Wetter / 12.06.2017 • 19:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Reinhold und Renate Nachbaur haben ihren Traum von der Teilzeit-Auswanderung mit Elan in die Tat umgesetzt. Foto: vn/mm
Reinhold und Renate Nachbaur haben ihren Traum von der Teilzeit-Auswanderung mit Elan in die Tat umgesetzt. Foto: vn/mm

Reinhold Nachbaur hat sich mit einer Eisdiele auf Menorca einen Traum erfüllt.

Fraxern. Mahón. (VN-mm) „Müsle gang gi schlofa…“ schallt es zu mitternächtlicher Stunde über den Plaza de Espana in Mahón. Hier, in der Hauptstadt der kleinen Mittelmeerinsel Menorca, betreibt Reinhold Nachbaur gemeinsam mit seiner Frau Renate seit fünf Jahren eine Eisdiele. Und wenn Besucher aus Vorarlberg vorbeischauen, packt der ehemalige „Fraxner Buab“ auch gerne einmal das Akkordeon aus. Dann wird gesungen und musiziert, was das Zeug hält. Sperrstunde? Wen kümmert’s. Sogar die Angestellten der benachbarten Restaurants haben ihren Spaß an solchen Auftritten. „Die ersten Jahre waren allerdings nicht einfach“, erzählt Reinhold Nachbaur von einem Sprung ins kalte Wasser.

Beliebter Treffpunkt

Sprachliche Barrieren und Behörden, die etwas anders arbeiten als hier, erschwerten den Start. Doch mit Freundlichkeit, vor allem aber harter Arbeit eroberten sich Reinhold und Renate Nachbaur ihren Platz in Mahón. Heute ist das „Dolce Freddo“ beliebter Treffpunkt für große und kleine Schleckermäuler. Im Winter werden die Schotten dicht gemacht, und die Nachbaurs kehren in ihr altes Leben in der Heimat zurück, um im Sommer wieder aufzubrechen in ein neues Leben unter südlicher Sonne.  

Auswanderungsgelüste, auch wenn diese vorerst nur von saisonaler Natur sind, plagten Reinhold Nachbaur schon länger. Irgendwann einmal woanders leben: Diese Idee geisterte Jahre in seinem Kopf herum. Auch ein Inselleben konnte er sich gut vorstellen. 1999 entdeckte der Musikschullehrer und Sozialarbeiter schließlich Menorca. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, beschreibt er seine ersten tiefen Empfindungen. Nachbaur sah noch andere Inseln, während er mit den „Fraxner Buaba“ bei diversen Kreuzfahrten aufspielte. Doch keine konnte ihn wirklich begeistern. Als sich auf Menorca die Möglichkeit bot, eine Eisdiele zu eröffnen, griff er zu. Gleiches galt für die Anschaffung eines Appartements mit Meerblick in Son Bou, wo es den längsten Sandstrand der Insel gibt. „Auf Menorca haben wir gefunden, was wir suchten“, bringt es Reinhold Nachbaur auf den Punkt.

Zusammenleben geprobt

Aber von heute auf morgen das alte Leben hinter sich lassen wollten weder er noch seine Frau. Außerdem wussten beide nicht, wie es sich anfühlen würde, ständig zusammen zu sein. „Als Musikant war ich ja kaum einmal zu Hause“, merkt Nachbaur an. Deshalb probten sie 2012 für drei Monate das gemeinsame Dasein auf Menorca. Es fühlte sich gut an. „Wir wollten beide mehr davon.“ So bedeutet jeder Sommer auch einen Neustart für die Beziehung der Eheleute.

Für den Betrieb einer Eisdiele entschieden sie sich, weil sie gerne in Kontakt mit Menschen sind. Das „Dolce Freddo“ wurde es, weil dahinter ein italienischer Familienbetrieb mit dreißigjähriger Erfahrung steht. „Hier bekamen wir alle Unterstützung, die wir brauchten“, berichtet Reinhold Nachbaur von einer professionellen Einschulung in die Kunst der Gelato-Zubereitung.  

Die beiden Söhne akzeptierten die Pläne der Eltern von Anfang an, bewunderten den Mut, sich eigene Träume zu erfüllen. Reinhold und Renate Nachbaur haben den Schritt nicht bereut. Im Gegenteil. Erst jüngst unterschrieben sie für weitere fünf Jahre, jetzt, wo es mit dem Spanisch auch schon gut klappt. Ob Menorca irgendwann ihr Heimathafen wird, lassen sie allerdings offen. Das hat noch Zeit. Derweil freuen sie sich auf jeden Besucher aus dem Ländle.

Bei Menorca war es wirklich Liebe auf den ersten Blick.

Reinhold Nachbaur

Zur Person

Reinhold Nachbaur

Geboren: 14. Juli 1962 in Fraxern

Wohnort: Fraxern, Mahón (Menorca)

Familienstand: verheiratet, 2 Söhne (24 und 26 Jahre)

Beruf: Musikschullehrer, Sozialarbeiter, Eisdielenbetreiber

Hobbys: Musik