Mitanand

01.07.2019 • 16:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Liba Selner (l.) ist stolz auf die Leistungen der Tänzerinnen und Tänzer aus dem Tanzhaus und freut sich mit ihnen auf die Gymnaestrada.lebenshilfe
Liba Selner (l.) ist stolz auf die Leistungen der Tänzerinnen und Tänzer aus dem Tanzhaus und freut sich mit ihnen auf die Gymnaestrada.lebenshilfe

Liba Selner tritt mit dem Tanzhaus bei der Weltgymnaestrada an.

hohenems Bedeutende Ereignisse werfen bekanntlich lange Schatten. Das gilt auch für die Weltgymnaestrada, die am kommenden Sonntag startet. Schon jetzt zieht das größte internationale Breitensportfestival der Welt das ganze Land in seinen Bann. Allerorten üben ambitionierte Gruppen für ihre großen Auftritte. Mit dabei ist auch die inklusive Tanzgruppe Tanzhaus Hohenems. Die Tanzgruppe der Turnerschaft Hohenems und der Lebenshilfe Vorarlberg war als erste inklusive Tanzgruppe aus Österreich bereits bei der Weltgymnaestrada in Helsinki dabei. Die Teilnahme hinterließ unvergessliche Eindrücke, da war auch die Anmeldung für die Weltgymnaestrada im eigenen Land schnell entschieden. „Vor heimischem Publikum aufzutreten, ist etwas ganz Besonderes“, spricht Liba Selner wohl allen aus der Seele. Gemeinsam mit Britta Hafner leitet sie das Tanzhaus, und gemeinsam wurden auch die Vorbereitungen bewerkstelligt.

Gemeinsam stark

Seit zwei Jahren ist Liba Selner in Pension. Bevor die gebürtige Tschechin eine Ausbildung als Sozialarbeiterin absolvierte, arbeitete sie als Tanztherapeutin. Bei der Lebenshilfe zeichnete Sellner für die Begleitung von Familien mit beeinträchtigten Kindern sowie Neuaufnahmen verantwortlich. Auch das Tanzhaus ist ihr ein großes Anliegen. „In den zwölf Jahren seines Bestehens konnte viel an Selbstvertrauen und Selbstverständnis wachsen.“ Mit hörbarer Begeisterung erzählt Liba Selner wie selbstverständlich es etwa für die jungen Frauen in der Gruppe geworden ist, fast fertig geschminkt zu Auftritten zu kommen. Auch wenn die Tänzerinnen und Tänzer wechseln: „Der Gedanke ,Zusammen schaffen wir das‘ festigt“, sagt Liba Selner.

Für die sechs Auftritte bei der Weltgymnaestrada wurde eine neue Choreografie einstudiert. Außerdem wird das Tanzhaus Hohenems erstmals von der Band „Die Schurken“ live begleitet. „Sie und Akkordeonist Goran Kovacevic haben auf unsere Anfrage sofort zugesagt“, berichtet Selner. Für die Proben musste eine CD mit den ausgewählten Musikstücken reichen, vor drei Wochen gab es dann die erste gemeinsame Probe. „Der Funke ist sofort übergesprungen.“ Dabei verlangte die intensive Vorbereitung besonders den Tänzerinnen und Tänzern mit Behinderung alles ab. Doch die Aussicht, in der Heimat auftreten zu dürfen, beflügelte. „Wenn es ans Eingemachte geht, können sie alles an Kräften abrufen“, zeigt sich sogar Selner immer wieder erstaunt über den Ehrgeiz ihrer Truppe.

Auf Augenhöhe

Finanziert hat sich das Tanzhaus Hohenems die Teilnahme übrigens selbst, unter anderem mit Auftritten im Vorfeld. Helsinki war durch das besondere Engagement von Doris Rinke möglich. Sie ist, viel zu jung, inzwischen verstorben, aber: „Wir werden Doris die ganze Woche in unseren Herzen tragen“, verspricht Selner. Jetzt heißt es allerdings, bis zum Sonntag noch fleißig zu proben und an den Bewegungen zu feilen, dann werden bis zu 36 Tänzerinnen und Tänzer mit und ohne Behinderungen wieder zeigen, wie gelebtes Mitanand funktioniert.

Beim Österreicher-Abend am Montag, 8. Juli 2019, in der Messehalle Dornbirn treten sie im Verbund mit den 17 besten Gymnastik- und Turngruppen Österreichs auf. „Es macht uns stolz, mit ihnen auf Augenhöhe zu sein“, ist die Vorfreude bei Liba Selner, aber auch bei allen anderen aus der Gruppe spürbar. „Sie fiebern dem Ereignis geradezu entgegen.“ VN-MM

Zur Person

Liba Selner

leitet mit Britta Hafner das Tanzhaus Hohenems, eine Gruppe der TS Hohen­ems und der Lebenshilfe

Alter 63

Ausbildung Tanztherapie, Sozialarbeit

Laufbahn Tanztherapeutin, Sozial­arbeiterin bei der Lebenshilfe

Familie verheiratet, 2 erwachsene Kinder