„Gemüse ohne Kilometer“

Wetter / 18.08.2019 • 16:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Isabella Moosbrugger engagiert sich für einen nachhaltigen Anbau von Obst und Gemüse.VN/Sab
Isabella Moosbrugger engagiert sich für einen nachhaltigen Anbau von Obst und Gemüse.VN/Sab

Isabella Moosbrugger ist Obfrau des Gartenvereins Gartenfreunde Reuthe-Bezau.

Bezau Die Leidenschaft von Isabella Moosbrugger ist der Garten. „Man hat mir das Gärtnern schon in die Wiege gelegt“, beginnt die 58-jährige Bezauerin zu erzählen. Aufgewachsen ist sie auf einem Bauernhof und hat dadurch den Umgang mit Tieren und Pflanzen früh gelernt. Nachdem ihr Bruder die Landwirtschaft übernommen hatte, spezialisierte sie sich auf die Pflanzenwelt: „In Vorarlberg hat es damals keine Ausbildung in Richtung Gemüseanbau gegeben.“ Deshalb hat sie sich vieles über die Gartenarbeit selbst beigebracht.

Verein „Gartenfreunde“

2011 übernahm Isabella Moosbrugger den ehemaligen Obst-und Gartenbauverein (OGV) Reuthe, der heute Gartenfreunde Reuthe-Bezau heißt. Aus einst 80 Mitgliedern sind bis heute knapp 300 geworden. Das erste Projekt der Gartenfreunde Reuthe-Bezau war die Verschönerung der Gemeinde Bezau durch Blumeninseln.

Isabella Moosbrugger ist es ein Anliegen, jungen Menschen das Verständnis für die Herkunft der Lebensmittel näherzubringen, „da Kinder und Jugendliche den Bezug zum Garten oft verloren haben“. Seit 2014 bewirtschaften die Schüler der dritten Klasse Volksschule einige Beete im Bahnhofsgarten, dem Garten der Bezauer Lebenshilfe. Sie pflegen den Garten einmal pro Woche von Frühling bis Herbst. „Dabei lernen die Kinder fürs Leben. Was sie in diesem Garten erfahren, vergessen sie nicht mehr“, sagt Moosbrugger. In den Wintermonaten werden die Kräuter im Schulgebäude weiterverarbeitet. Hergestellt werden etwa Kräutersalze, Kräutermischungen, Teemischungen, Popcorn, Kräuterkissen, Kräutermousse.

Nachhaltiger Anbau

Die Nachfrage nach Gartenbeeten in Bezau wurde immer größer. So wurde 2016 ein weiteres Projekt ins Leben gerufen: der Gemeinschaftsgarten „Gemüse ohne Kilometer“. Auf Anhieb konnten 22 Gemüsebeete vermietet werden. Jetzt sind es 41, verteilt auf 2300 Quadratmeter. Der Name „Gemüse ohne Kilometer“ soll verdeutlichen, dass dieses Gemüse kurze Transportwege hinter sich hat, unter guten Produktionsbedingungen gearbeitet wird und keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel sowie Düngemittel eingesetzt werden. „Der Garten ist für uns ein Paradies, aus dem wir unverfälschte Lebensmittel frisch auf den Tisch bringen“, betont Isabella Moosbrugger. Aber auch Zusammenhalt und Gemeinschaft seien ein wichtiger Teil dieses Projektes. Als zusätzliche Attraktionen wurden ein Naschgartenlabyrinth, eine Kräutersonne und Blühbeete für eine Duftaura im Garten gebaut. Für das Jahr 2019 wurde dem Projekt der Bodenseepreis für Obst und Gemüse verliehen.

Lagerung des Gemüses

Das nächste Projekt ist ein Erdkeller im Bahnhofsgarten, der die Lagerung des Gemüses ermöglicht. Der Erdkeller ist im Rahmen der 10. Bregenzerwälder Handwerks­ausstellung gebaut worden. Dieser ist mit 20 Fächern ausgestattet und kann von den Mitgliedern der Gartenfreunde gemietet werden. „Heute ist es in vielen Wohnungen nicht mehr möglich, Kartoffeln in Säcken, oder Äpfel in Kisten zu lagern“, sagt Moosbrugger. Das brachte sie dazu, eine Lagerstätte für das Gemüse zu bauen.

„Ziel ist, dass diese drei Projekte miteinander funktionieren und für die Kinder ein Stück Heimat werden.“ Dafür gibt Isabella Moosbrugger ihr Wissen gerne an die junge Generation weiter und veranstaltet regelmäßig Kurse. VN-SAB

Zur Person

Isabella Moosbrugger

Obfrau des Gartenvereins Gartenfreunde Reuthe-Bezau

Geboren 3. März 1961 in Bezau

Wohnort Bezau

Ausbildung Landwirtschaftsmeister in Vorarlberg

Familie verheiratet, 4 Kinder