Auf Schiene

Wetter / 09.10.2019 • 19:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Markus Hertnagel koordiniert den Bau der bahntechischen Ausrüstung. Privat
Markus Hertnagel koordiniert den Bau der bahntechischen Ausrüstung. Privat

Markus Hertnagel ist Bauleiter mit Hang zur Hochgeschwindigkeit.

Bregenz Das Auftragsvolumen beträgt rund 250 Millionen Euro. Während der Bauzeit sind bis zu 140 Mitarbeiter zeitgleich auf der Baustelle beschäftigt. Mittendrinnen ist auch ein Sulzberger. Markus Hertnagel hat vor 13 Monaten seinen Arbeitsplatz an die Bahnneubaustrecke zwischen Wendlingen-Ulm verlagert.

Der 37-Jährige ist seit fast genau fünf Jahren Bauleiter bei Rhomberg Bahntechnik. Beim Großprojekt der Deutschen Bahn auf der Schwäbischen Alb hat das Bregenzer Bauunternehmen gemeinsam mit Swietelsky den Zuschlag für den Gleisbau und die bahntechnische Ausrüstung bekommen. Auf der ehemals grünen Wiese werden hierfür knapp 120 Kilometer Schienen in eine Tragschicht aus Kies bzw. Splitt betoniert, davon über 60 Kilometer in Tunneln. Hinzu kommen 24 Weichen, die Errichtung von 50-Hertz-Anlagen und Anlagen für Telekommunikation und Bahnstrom. Außerdem werden über 2500 Kilometer Kabel verlegt, die mechanische Ausrüstung mit Lüftungsanlagen, Technikräumen und Beschilderungen umgesetzt sowie 78 Kilometer beleuchteter Handlauf verbaut.

Karriereweichen neu gestellt

Markus Hertnagel hat an der FH Vorarlberg Mechatronik studiert und war anschließend in der Druckindustrie und in der Photovoltaikbranche tätig, zuletzt als Betriebsleiter in der Fertigung. „Nach fünf Jahren im selben Unternehmen hat es mich einfach gereizt, etwas anders zu machen und etwas anderes zu sehen. Ich wollte nicht nur in der Halle drinnen arbeiten, sondern Baustellen begehen und ablaufen“, erzählt der Sulzberger. Gereizt hat ihn auch die Logistik hinter Großprojekten, „wie man Bauzüge, Material und Personal zum Arbeitsort bringt.“ Nach kleineren Projekten im süddeutschen Raum und der Ausrüstung eines knapp zwei Kilometer langen Tunnels in der Schweiz war die Zeit reif für etwas Größeres.

Die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm ist Teil des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm, zu dem auch Stuttgart 21 gehört. „Die Kollegen vom Gleisbau machen den Oberbau, wir sind für die Ausrüstung zuständig. Elektrotechnik, Telekommunikation, Lüftungsanlagen, Licht, Notbeleuchtung, Beschilderung“, zählt Hertnagel auf.

250 km/h

Nach der Fertigstellung sind die Züge zwischen Ulm und Stuttgart mit bis zu 250 Stundenkilometern unterwegs. Die Fahrzeit im Fernverkehr wird von bisher knapp einer Stunde auf rund eine halbe Stunde halbiert. Die Aufgaben des Sulzbergers reichen von der Abstimmung der Stromanschlüsse mit dem Energieversorger bis hin zur Einschulung und der Übergabe an den späteren Betreiber. Die größte Herausforderung in seinem Job? „Die verschiedenen Akteure unter einen Hut zu bekommen und zu koordinieren“, erläutert er.

Auf der Neubaustrecke wurden in den vergangenen Jahren neun Tunnel errichtet. „Vier mit einer Länge von fünf Kilometern oder länger und fünf, die kürzer als einen Kilometer sind“, präzisiert der Bahntechnik-Bauleiter. Doch nicht nur in den Tunneln wird Technik benötigt. Auch auf der freien Strecke ist an diversen Standorten Strom für Regenrückhaltebecken, Handymasten und Co. gefragt.

Bislang war der 37-Jährige hauptsächlich mit der Planungskoordination beschäftigt und hat sich parallel dazu um die Arbeitsvorbereitungen gekümmert. „Aber demnächst fangen wir an“, freut sich Markus Hertnagel, der es auch in seiner Freizeit gerne etwas zügiger mag. Zum einen bei Rennradtouren mit seiner Frau, zum anderen im Skiverein, beim Skitourengehen oder Skifahren. vn-ger

Zur Person

Markus Hertnagel

ist auf der Bahn-Großbaustelle Ulm-Wendlingen im Einsatz

Geboren 2. Oktober 1982

Wohnort Sulzberg

Ausbildung BG Blumenstraße, FH Vorarlberg (Mechatronik)

Laufbahn seit knapp fünf Jahren Bauleiter bei Rhomberg Bahntechnik

Familie verheiratet

Hobbys Rennradfahren, Skiverein (Nachwuchstrainer), Skitouren, Skifahren