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Wetter / 20.10.2019 • 19:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Wohlergehen seiner
Das Wohlergehen seiner „Braunen“ liegt Karl Lingenhel am Herzen. timo jaworr

Karl Lingenhel räumte beim CeresAward ab.

doren Einfach nur „guggo, wo ma stoht“: Mehr wollte Karl Lingenhel eigentlich nicht, als er die Bewerbung für den diesjährigen CeresAward einreichte. Dabei handelt es sich um eine Auszeichnung, die für den gesamten deutschsprachigen Raum vergeben wird und bäuerliche Unternehmertugenden wie Mut, Ideenreichtum sowie Verantwortungsbewusstsein für Mensch, Tier und Natur honoriert. Die Jury sah letztlich mehr in der Arbeit des 55-jährigen Biolandwirts aus Doren und kürte ihn zum besten Biobauern des Jahres 2019. Damit habe er wirklich nicht gerechnet, sagt Lingenhel, freut sich aber: „Der Preis ist eine Bestätigung, dass wir mit unserem Konzept auf dem richtigen Weg sind.“ Es war übrigens nicht die erste Ehrung, die Karl und Agathe Lingenhel für ihr Bemühen um ein bäuerliches Leben im Einklang mit der Natur entgegennehmen durften. So gewannen sie unter anderem 2013 beim VN-Tierschutzpreis und im vergangenen Jahr den Zukunftspreis von „i luag druf“.Letzteres ist bei den Lingenhels tatsächlich Programm.

Erfolgreich umgestellt

Vor 20 Jahren stellte Karl Lingenhel den geerbten Milchviehbetrieb auf bio um. Er war einer der ersten im Land, die dieses Unternehmen wagten. Der Dorener hat es nicht bereut. Eine verantwortungsvolle Bewirtschaftung und Weiterführung dessen, was seine Vorfahren aufbauten, lag dem Familienvater am Herzen. Mittlerweile gibt ihm der Erfolg recht. Lingenhel setzt dabei nicht auf Masse, sondern auf ein kluges Kreislaufkonzept, dessen Säulen Bodenaufbereitung, Produktveredelung und Direktvermarktung sind. Im Stall stehen 25 Milchkühe der Marke Braunvieh, zum Fressen gibt es für sie nur eigenes Heu und Gras und der Festmist wird kompostiert. „Unsere Tiere sind seitdem viel gesünder und vitaler“, bestätigt der Vollerwerbslandwirt. Er bewirtschaftet 30 Hektar Land, hegt und pflegt einige Streuobstbäume alter Sorten und mehrere Bienenvölker. Aus den Erzeugnissen stellt die Familie Obstbrände, Marmeladen und Honig her. Die Milch wird in der eigenen Minikäserei verarbeitet. Verkauft werden die Produkte im Hofladen. Zudem empfängt der Agrarwirt regelmäßig Schulklassen und Seminarteilnehmer in seinem Betrieb. Eine Erlebnisküche rundet das Angebot ab.

Beim CeresAward, der jüngst in Berlin vergeben wurde und für den heuer mehr als 240 Bewerbungen eingegangen sind, zählen nicht Höchstleistungen auf dem Feld oder im Stall, sondern umsichtiges Wirtschaften. „Auf dem Siegerhof von Karl Lingenhel werden Ideen zu Ende gedacht, dieser Landwirt ist immer am Ball, bildet sich fort, probiert Neues aus, ohne sich zu verrennen, er ist nah am Verbraucher, und jeder Winkel seines Betriebs ist vorbildlich gestaltet und jederzeit vorzeigbar“, urteilten die Juroren geradezu euphorisch über den Teilnehmer aus dem Bregenzerwald.

Eine Vision treibt an

Mit Karl Lingenhel kommt bereits zum zweiten Mal in Folge der „Biolandwirt des Jahres“ aus Österreich. 2018 gewann ein Salzburger diese begehrte Trophäe. Mit Tobias Ilg aus Dornbirn stellte Vorarlberg jedoch den Gesamtsieger. Er durfte sich „Landwirt des Jahres 2018“ nennen. „Ich bin immer noch stolz ohne Ende“, sagt Ilg. Das darf mit gutem Gewissen auch Karl Lingenhel sein.

„Die Latte für diesen Bewerb liegt ziemlich hoch“, erzählt er. Sein Betrieb kann locker mithalten, wie sich jetzt zeigte. Der innovative Landwirt will so weitermachen, wie er auch auf seiner Webseite bekräftigt: „Für die kommenden Generationen soll die biologische Bewirtschaftung unserer Böden selbstverständlich sein – diese Vision treibt uns an und gibt unserer Arbeit Sinn.“ VN-MM

Zur Person

Karl Lingenhel

darf sich über die Auszeichnung „Biobauer des Jahres“ und den Ceres­Award freuen.

Alter 55

Beruf Vollerwerbslandwirt, stellte seinen Betrieb bereits 1999 auf biologische Bewirtschaftung um

Wohnort Doren

Familie verheiratet, vier Kinder