Der Skitüftler

Wetter / 24.10.2019 • 18:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rainer Nachbaur, ein Tüftler der alten Schule, startet mit Kästle-Rennski neu durch. ko
Rainer Nachbaur, ein Tüftler der alten Schule, startet mit Kästle-Rennski neu durch. ko

Rainer Nachbaur bringt Kästle in den alpinen Weltcup zurück.

Hohenems Nach 22 Jahren gibt der Vorarlberger Skihersteller Kästle ein Comeback im alpinen Skiweltcup. „Wir probieren es wieder“, freut sich Rainer Nachbaur auf die Rückkehr. Der 53-Jährige ist beim Comeback des Hohenemser Unternehmens auf den Rennstrecken federführend. „Die Idee kochte schon länger“, erklärt der Skikonstrukteur. „Tomas Nemec, der neue tschechische Eigentümer, fuhr früher selbst Abfahrten, ist Weltcup-affin, unterstützt seine Landsfrau Ester Ledecka. Im letzten Jahr haben wir bei Kästle mit Nemec ein Programm gestartet, Rennski für die Mastersbewerbe produziert. Er war so etwas wie unser Probepilot.“ Nachbaur begann mit dem Skihandwerk im Jahr 1986. „Ich bin gelernter Maschinenbauer und so zu Kästle gekommen. Damals musste sich jede Skifirma eigene Maschinen für die Produktion konstruieren. Als leidenschaftlicher Sportler habe ich mit den Ski getüfelt, meine selbst entwickelt, ich wusste also, was man dafür braucht.“ 1988 räumte Kästle bei den Olympischen Winterspielen groß ab, gewann durch Anita Wachter, Hubert Strolz, Sigrid Wolf und Pirmin Zurbriggen gleich vier Goldmedaillen. 1997 ging diese Ära mit dem WM-Titel im Slalom durch Tom Stiansen zu Ende.

Der Benetton-Konzern kaufte 1992 Kästle, später übernahm Schuhhersteller Nordica. Nachbaur machte den Umzug nach Italien mit. 2001 ging der Fraxner in die Selbstständigkeit, baute mit Differences eine eigene Marke auf. 2015 stieg Bernd Knünz, der Kästle 2007 neues Leben einhauchte, ein, übernahm 75 Prozent von Nachbaurs Anteilen. „Ich habe aber auch für andere Skifirmen als Konsulent gearbeitet. u.a. bei Head.“ Mit Blizzard schrieb der ehemalige Jugendrennläufer ebenfalls ein kleines Stück Erfolgsgeschichte. Reinfried Herbst holte Slalom-Silber bei den Olympischen Spielen in Turin.

Eine zweite Schiene ist der Rodelsport. Nachbaur entwickelt für den Internationalen Rodelverband einen Doppelsitzer, der in rund zwei Jahren als genormtes Gerät zur Verfügung stehen soll. „Von den Rodlern haben wir einiges für die Skiproduktion gelernt. Da gibt es gleiche Konstellationen, wie Geschwindigkeit, Gleitfähigkeit, Vibrationen und  Beweglichkeit. Da haben wir einiges eins zu eins übernommen.“

Leid tut es Nachbaur, dass die Vorarlberger Weltcupläuferin Katharina Liensberger beim Weltcup­auftakt in Sölden nicht am Start sein wird. „Das Mädchen ist ein Riesentalent. Sie hat ein extrem gutes Gespür, sie kann dir etwas über den Ski sagen. Nach der zweiten Testfahrt fährst du nach Hause, und weißt, was zu ändern ist. Mit ihr hat es extrem gut funktioniert.“

Die Geschichte der Skifirma Kästle startete 1924. In ein paar Jahren gibt es das 100-jährige Jubiläum, bis dahin möchte man im Rennsport noch stärker etabliert sein. Auch wenn Liensberger ein Start auf Kästle-Material vorerst verwehrt bleibt, sind die Emser beim Weltcupauftakt dabei. Die Kästle-Fahne wird in Sölden von der in Österreich aufgewachsenen Holländerin Adriana Jelinkova hochgehalten. VN-ko

Zur Person

Rainer Nachbaur

Konstrukteur für Rennski beim Skihersteller Kästle in Hohenems

Geboren 26. Februar 1966

Wohnort Fraxern

Familie  verheiratet mit Birgit, Söhne Simon, Stefan

Hobbys Skifahren, Motocross