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Wetter / 01.11.2019 • 19:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Winterdienstfahrer Gabriel Kessler aus Klösterle hat sein tonnenschweres Arbeitsgerät perfekt im Griff. VN/JS
Winterdienstfahrer Gabriel Kessler aus Klösterle hat sein tonnenschweres Arbeitsgerät perfekt im Griff. VN/JS

Gabriel Kessler kürte sich zum Vize-Staatsmeister im Schneepflugfahren.

Klösterle Maschinen und schwere Geräte, das ist die Welt von Gabriel Kessler. Bereits als Kind zog der Klostertaler mit Begeisterung auf seinem Trettraktor seine Kreise auf dem elterlichen Vorplatz. Heute sind die Gefährte, mit denen Kessler unterwegs ist, um einige PS stärker. Die Leidenschaft ist aber dieselbe geblieben.

„Ich bin mit Maschinen aufgewachsen“, sagt Kessler. Den Trettraktor tauschte er bald gegen die Handfräsen von Opa Karl Kessler ein. Sie zogen bereits in jungen Jahren die Aufmerksamkeit des kleinen Gabriel auf sich. Auch bei seinem Onkel, einem Landwirt, half er als Jugendlicher ebenfalls gerne mit. Auch das war in erster Linie den verschiedenen technischen Arbeitsgeräten geschuldet. „Die Technik und die Handhabung der verschiedenen Maschinen hat mich immer schon fasziniert. Das ist bis heute so“, sagt er und fügt hinzu: „Es ist ein tolles Gefühl, die enorme Leistung, die diese Maschinen haben, zu kontrollieren.“

Nach seiner Ausbildung zum Mechaniker war der heute 32-Jährige sieben Jahre lang als Lkw- bzw. Baggerfahrer für die Firma Kessler in Klösterle unterwegs. Seit fünf Jahren ist er im Landesdienst tätig. In der Straßenmeisterei Arlberg/Montafon in Rauz stationiert, ist er als Teil des Zwölf-Mann-Teams im Sommer mit allgemeinen Instandhaltungsarbeiten wie Felsräumungen und Mäharbeiten beschäftigt. Im Winter kommt er insbesondere als Fräsenfahrer am Arlberg und im Klostertal zum Einsatz. „Diese Arbeit erfordert ein hohes Maß an Konzentration“, weiß Kessler aus Erfahrung.

Wenn er mit dem tonnenschweren Fahrzeug unterwegs ist, heißt das oberste Gebot „Vorsicht“. „Man muss ständig für andere Verkehrsteilnehmer mitdenken“, beschreibt Kessler, dass es im Laufe eines Winters immer wieder zu brenzligen Situationen kommt. „Dabei ist ein vorausschauendes Fahren sehr wichtig“, sagt er.

Gerade das zu knappe Auffahren einiger Verkehrsteilnehmer komme immer wieder vor. Auch der Zeitdruck spielt bei Kesslers Arbeit eine nicht unerhebliche Rolle. „Es gilt einfach ruhig zu bleiben und die Räumung in bestmöglicher Zeit zu erledigen“, beschreibt er seine verantwortungsvolle Aufgabe.

Neuland betreten

Dass der Klostertaler weiß, wovon er spricht, stellte er mit dem Gewinn des Vize-Staatsmeistertitels im Schneepflugfahren in der Vorwoche eindrucksvoll unter Beweis. Vor mehreren Jahren wurde damit begonnen, für das Fahren mit dem Schneepflug Wettbewerbe zu veranstalten. Was in Ostösterreich einen hohen Stellenwert hat und beinahe professionell betrieben wird, ist in Vorarlberg bisher eher unbekannt. Umso überraschender war das gute Abschneiden Kesslers bei den zweiten Staatsmeisterschaften in Tulln. Erstmals bei so einem Wettbewerb am Start, qualifizierte sich der Landesbedienstete unter den 40 Teilnehmern fürs Finale. Dort stellte er seine Geschicklichkeit und sein Fingerspitzengefühl mit dem Winterdienstgerät eindrucksvoll unter Beweis und landete schließlich auf dem zweiten Platz, der ihn zur Teilnahme an der Europameisterschaft im kommenden Jahr in Melk berechtigt. „Ich bin mit der Einstellung ‚Dabeisein ist alles‘ zum Wettbewerb hingefahren. Dass es so gut laufen würde, war nicht zu erwarten“, rekapituliert er den großen Erfolg, der auch seitens des Landes gewürdigt wurde.

Ob er nach der EM noch an weiteren Geschicklichkeitsbewerben teilnehmen will, lässt sich Kessler vorerst offen. Sein Fokus liegt nun zunächst auf der bevorstehenden Wintersaison, wenn es wieder gilt, die Straßen am Arlberg von den Schneemassen zu befreien. VN-JS

Zur Person

Gabriel Kessler

Geboren 17. März 1987

Familie verheiratet

Beruf Partiearbeiter

Wohnort Klösterle

Hobbys Radfahren, Waldarbeit, Feuerwehr, Maschinen aller Art