In helfender Mission

Wetter / 05.11.2019 • 18:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Christliche Werte und Toleranz schließen sich für Willi Hagleitner nicht aus. vn/PS
Christliche Werte und Toleranz schließen sich für Willi Hagleitner nicht aus. vn/PS

Willi Hagleitner initiierte das Ehe- und Familienzentrum.

bregenz Morgen, Donnerstag, feiert das Ehe- und Familienzentrum (EFZ) der Diözese Feldkirch sein 40-jähriges Bestehen. Einer der Gründerväter neben Altbischof Elmar Fischer war Willi Hagleitner (79), damals auch Obmann des Vorarlberger Familienverbandes. Die zunehmenden Scheidungszahlen bewogen den siebenfachen Vater, das Projekt aufzugleisen. „Einfach gestaltete sich das nicht“, berichtet Hagleitner im Rückblick von viel Widerstand.

Als Streithammel bezeichnet

Auch die Finanzierung der Einrichtung geriet zu einem Hin und Her. „Die Diözese wollte nur einsteigen, wenn das Land mitmacht, und das Land wollte nur Geld beisteuern, wenn die Diözese zahlt“, erzählt er. Schließlich gelang es doch, von beiden Seiten die nötigen Unterschriften auf den Vertrag zu bekommen. Trotzdem hatte das Lästern noch kein Ende. Zu gut ist Willi Hagleitner die Landtagssitzung in Erinnerung, in welcher der Beschluss für das EFZ gefasst werden sollte. Elmar Fischer und er verfolgten die Debatte von der Galerie aus, als während der Beratung plötzlich ein Abgeordneter aufstand und hinausposaunte: „Das ist doch nur das ehrgeizige Projekt von zwei Streithammeln in der Diözese.“ Gemeint waren Fischer und Hagleitner. Gegenwind blies ihnen aber auch aus kirchlichen Kreisen entgegen. Inzwischen sind die ursprünglichen Animositäten beigelegt. „Wir sind freundschaftlich verbunden“, merkt Hagleitner mit einem Lächeln an. Die Akzeptanz, die dem EFZ aus der Bevölkerung entgegenschlug, machte die anfänglichen internen Querelen wett.

Der von Willi Hagleitner ausgegebene Grundsatz, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen, ohne deren Lebensform zu taxieren, erleichterte es Suchenden, Hilfe anzunehmen. „Es ging und geht darum, Menschen dahingehend zu unterstützen, wie sie Partnerschaft oder Familie gestalten können“, betont Hagleitner. Sie zu missionieren stand nie in den Leitlinien. „Wir müssen die gesellschaftlichen Entwicklungen und die Realitäten des Lebens zur Kenntnis nehmen“, sagt er und nennt ein Beispiel. Früher seien erwerbstätige Mütter diskriminiert worden. „Heute ist das Gott sei Dank anders.“

Selbst auch gereift

Die Worte kommen Willi Hagleitner leicht und locker über die Lippen. Die liberale Gesinnung war früher allerdings nicht so ausgeprägt. „Ich habe nichts hinterfragt“, bekennt er. Doch er sei gereift, habe sich weiterentwickelt, durch die Arbeit im Familienverband und durch die eigenen Kinder. Dass sich das Ehe- und Familienzentrum in seiner Beratungstätigkeit heute auch mit der Homosexualität befasst, findet er persönlich toll. „Wir halten unsere Türen bewusst offen für Menschen in allen Lebenssituationen sowie Paar- und Familienkonstellationen“, bekräftigt Hagleitner.

Eigenständig unterwegs

Der Tätigkeitsbereich des EFZ umfasst Bildung, Beratung, Information, Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung sowie Kooperation mit kirchlichen und anderen Institutionen. Da das EFZ eine Institution kirchlichen Rechts, aber eigenständig ist, muss es nicht in jeder Frage mit der Kirchenführung eins sein. „Wir haben einen öffentlichen Auftrag“, argumentiert Willi Hagleitner. Erst vor zwei Jahren schied der Bregenzer aus dem Vorstand des EFZ aus, dessen Vorsitzender er seit der Gründung war. Sein Wunsch zum Jubiläum: „Ich wünsche mir, dass im Sinne unserer Statuten auch weiterhin auf die Menschen zugegangen und dort angesetzt wird, wo sie ihre Nöte haben, aber ohne erhobenen Zeigefinger.“ Außerdem würde sich Hagleitner eine Aufstockung des Personals wünschen. Jetzt darf aber erst einmal gefeiert werden. VN-MM

Zur Person

Willi Hagleitner

war maßgeblich am Aufbau und der Einrichtung des Ehe- und Familienzentrums beteiligt.

Alter 79

Beruf Pensionist

Laufbahn Unternehmer

Familie verheiratet, sieben Kinder, elf Enkelkinder