Altes Handwerk

Wetter / 02.12.2019 • 18:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Simon Burtscher (20) aus Nüziders hat seinen Lehrabschluss in der Tasche. „Der Beruf macht mir Spaß, weil er so vielseitig ist“, sagt er.
Simon Burtscher (20) aus Nüziders hat seinen Lehrabschluss in der Tasche. „Der Beruf macht mir Spaß, weil er so vielseitig ist“, sagt er.

Simon Burtscher ist einer der wenigen, die sich für den Fleischerberuf entscheiden.

Nüziders, Hohenems Metalltechniker, Elektrotechniker und Kraftfahrzeugstechniker. Diese Lehrberufe zählten im Jahr 2018 zu den beliebtesten Ausbildungen bei Jugendlichen in Österreich. Alte Handwerksberufe wie jene des Fleischers drohen dabei in Vergessenheit zu geraten. In Vorarlberg absolvieren derzeit 17 Lehrlinge, davon vier Frauen, eine Lehre zum Fleischer. In ganz Österreich sind es 316. Einer der wenigen, die sich für diesen Beruf entschieden haben ist Simon Burtscher aus Nüziders, der seine Ausbildung in der Metzgerei Rainer Schatz in Hohenems durchlief. Seit zwei Wochen hat der 20-Jährige seinen Lehrabschluss in der Tasche. „Der Beruf macht mir Spaß, weil er so vielseitig ist. Man lernt unglaublich viel, vom lebendigen Tier bis hin zur fertigen Wurst. Eintönig wird es nie“, gerät er ins Schwärmen.

Der Erste in der Familie

Der 20-Jährige ist auf einem Bauernhof – einem Milchviehbetrieb mit rund 30 Kühen – aufgewachsen. Der Besuch der Landwirtschaftsschule war für ihn also ein logischer Schritt. Ein Lehrer war es, der ihn dazu inspiriert habe, den Beruf des Fleischers zu ergreifen. „In meiner Familie gibt es bisher noch niemanden, der sich für diese Ausbildung entschieden hat“, merkt er stolz an. Der Beruf des Metzgers sei vor allem deswegen interessant, „weil man es mit einem alten Handwerk zu tun hat und regionale Lebensmittel im Fokus stehen“. Von Massentierhaltung hält der junge Fleischer nichts. „Gut, dass das bei uns im Land kein großes Thema ist und unsere Bauern darauf achten, dass die Transportwege für jene Lebensmittel, die bei uns auf dem Teller landen, möglichst kurz gehalten werden.“

Um sechs Uhr früh beginnt der Arbeitstag für Simon Burtscher. Im Gegensatz zum Metzger, der für das Schlachten der Tiere zuständig ist, kümmern sich Fleischer um das Zerlegen und die Zubereitung der Fleischwaren. „Wir stellen unter anderem Wurstwaren wie Schinken und Speck her und bereiten das Fleisch für den Verkauf in der Metzgerei vor“, umreißt Burtscher seinen Tätigkeitsbereich.

Erfolgreicher Lehrling

Sein Können stellte der 20-Jährige in diesem Jahr auch beim Bundeslehrlingswettbewerb der Fleischer in der Berufsschule Hollabrunn unter Beweis. In sechs Disziplinen – von der Herstellung von Barbecue-Spezialitäten bis hin zum Wurstplatten-Legen und Braten-Zubereiten – galt es für Simon Burtscher, die Jury von seinem Talent zu überzeugen. Und das tat er. Am Ende erreichte der Vorarlberger Fleischerlehrling den dritten Rang. „Ich habe mich eine Woche lang auf den Wettbewerb vorbereitet. Dass ich am Ende den dritten Platz belegt habe, hat mich sehr gefreut.“ Vergangene Woche wurde er dafür auch von Landeshauptmann Markus Wallner geehrt. Sein Talent blieb auch anderen Fleischerbetrieben nicht verborgen. „Ich habe schon drei Stellenangebote bekommen“, sagt Simon Burtscher stolz. Doch zuerst steht für ihn der Zivildienst an. „Dann wird man weitersehen.“

Nicht nur in seinem Beruf, sondern auch privat dreht sich bei Simon Burtscher viel um Tiere. Als Mitglied der Jungzüchter setzt sich der Oberländer dafür ein, dass die Tradition der Braunviehzucht unter Einbezug neuester Methoden aufrechterhalten bleibt und weiterentwickelt wird. In seiner Freizeit besucht Simon Burtscher gerne Viehausstellungen in der Schweiz oder in Tirol. „Hobby und Beruf liegen da nicht weit auseinander“, sagt er schmunzelnd. VN-TAS

Zur Person

Simon Burtscher
Fleischer

Geboren 19. August 1999, Bludenz

Wohnort Nüziders

Laufbahn VS und HS in Nüziders, Absolvent der Landwirtschaftsschule, arbeitet in der Metzgerei Schatz in Hohenems

Hobbys Mitglied im Verein der Jungzüchter und der Landjugend