Der Knochenmann

Wetter / 07.01.2020 • 18:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Derzeit hat Walter Sturn wortwörtlich alle Hände voll zu tun.khbg
Derzeit hat Walter Sturn wortwörtlich alle Hände voll zu tun.khbg

Walter Sturn arbeitet als Gipser in der Unfallambulanz.

feldkirch Im Sommer sind es Wanderer und Berggeher, die die Unfallambulanzen in den Spitälern füllen. Im Winter sorgen Schneesportler für Hochbetrieb beim medizinischen Personal. Allein im Dezember 2019 wurden in den Landeskrankenhäusern fast 10.000 Personen nach Unfällen auf oder abseits der Pisten ambulant behandelt. Das bedeutet im Vergleich zum Dezember 2018 eine Steigerung um 4,5 Prozent. Der stationäre Bereich zeigt mit rund 2400 Aufnahmen ein konstant hohes Niveau. In der Unfallambulanz des Landeskrankenhauses Feldkirch beispielsweise lag die Frequenz im Dezember bei fast 2800. Einer, der die Leiden der Unfallopfer tagtäglich haunah miterlebt, ist Walter Sturn. Seit bald 30 Jahren arbeitet der 56-jährige Götzner im Landeskrankenhaus Feldkirch, 25 Jahre davon im Gipszimmer.

Intensive Stunden

Auch über Weihnachten und Neujahr schob er Dienst. „Es waren sehr intensive und aufreibende Stunden“, erzählt Sturn. Am Tag ging es von 8 bis 19 Uhr, in der Nacht von 19 bis 4.30 Uhr. Ruhezeiten gab es kaum. Er mag seinen Beruf trotzdem. „Die Vielfalt macht den Job interessant und spannend. Man meint, schon alles gesehen zu haben, und doch ist jeder Tag anders“, sagt Walter Sturn. Als OP- und Gips­assistenten, so die offizielle Berufsbezeichnung, sind er und seine neun Kollegen nämlich nicht nur für das Einrichten von gebrochenen Knochen zuständig. Ein kleiner Auszug aus ihrem reichhaltigen Tätigkeitsfeld gefällig? Sie müssen Frischverletzte übernehmen, mit in den Schockraum, wenn ein Unfallopfer eingeliefert wird, sie packen im Röntgenraum an, in der Orthopädie oder bereiten Patienten auf die OP vor. „Wir sind in der ganzen Unfallambulanz unterwegs und irgendwie Mädchen für alles“, merkt Walter Sturn an. Apropos Mädchen: Früher durften nur Männer im Gipszimmer arbeiten. Inzwischen gibt es dort auch zwei Frauen. „Die Kolleginnen bewähren sich gut. Sie sind sehr geschickt“, lobt Sturn ihren Einsatz.

Walter Sturn wollte immer schon einen helfenden Beruf. Deshalb fing er im Krankentransport an. Nebenbei war er 25 Jahre bei der Rettung und 17 Jahre Ortsstellenleiter in Götzis. Die Kurse, die er in diesem Rahmen belegte, ebneten ihm den Weg ins Krankenhaus. Eines Tages bekam er das Angebot, eine berufsbegleitende Ausbildung zum OP-Gehilfen zu absolvieren. Dafür musste er sich verpflichten, zwei Jahre im OP zu arbeiten. Walter Sturn sagte zu. Nach Ablauf dieser Zeit wechselte er in die Unfallambulanz, wo es eine freie Stelle zu besetzen galt. Seitdem ist der zweifache Vater und bald sechsfache Opa an diesem seinem Platz.

Die Arbeit ist nicht immer einfach. Bilder von schlimm zugerichteten Unfallopfern lassen auch einen im Beruf versierten Mann wie Walter Sturn nicht kalt. Er verarbeitet sie, indem er mit Reiki selbst für seine Psychohygiene sorgt. Freizeit mit den Enkelkindern tut ihm ebenfalls gut. Als Gipser braucht der Götzner hingegen vor allem Fingerspitzengefühl. „Ein Gipsverband muss gut sitzen, damit danach wieder alles funktioniert“, betont Sturn. Seine langjährige Erfahrung hilft ihm bei der Umsetzung und ist auch bei jüngeren Mitarbeitern stets gefragt. Bei ihm sind ebenfalls schon Knochen in die Brüche gegangen. Mit dem Eingipsen durch die Kollegen war Walter Sturn stets zufrieden. VN-MM  

„Man meint, schon alles gesehen zu haben, und doch ist jeder Tag anders.“

Zur Person

Walter Sturn

erlebt die Leiden der Unfallopfer, die der Wintersport derzeit fordert, hautnah mit.

Alter 56

Ausbildung OP- und Gipsassistent

Wohnort Hohenems

Familie verheiratet, zwei erwachsene Kinder, bald sechs Enkelkinder

Hobbys Fischen, Aktivitäten mit den Enkelkindern